ROGER – Verstärker / Tonabnehmer (TA) / Zubehör

Artikel von Stefan Lob

Die Firma „Roger-Guitarren“ baute nicht nur Gitarren sondern hatte auch Ihr eigenes Zubehör Programm. Eine immer wieder gern erzählte Geschichte handelt von der Entstehung des ersten ROGER Tonabnehmers 1946. Um diese Geschichte richtig einzuordnen und zu deuten ist es sinnvoll, eine kurze Geschichte der Tonabnehmerentwicklung voranzustellen.

Verstärkertechnik und Mikrofone

Lee De Forest hat das AUDION, eine Elektronenröhre, die später das de Forest Ventil genannt wurde und unter dem Namen TRIODE allgemeine Bekanntheit erlangte, im Jahre 1906 erfunden. Um diese Erfindung gab es viele Patentstreitigkeiten. Zehn Jahre später wurde mit dieser, vom Erfinder konsequent weiterentwickelten Technik, das erste Radioprogramm mit der Musik von Enrico Caruso ausgestrahlt. Anfang der 20er Jahre entstand der Tonfilm. 1922 hat De Forest den Phonofilm mitentwickelt auf dem sich Ton und Film auf einer Filmrolle befunden haben.

Die Verstärkertechnik, die Wirkweise des Mikrofons und das Funktionsprinzip der elektrischen Tonabnehmer basieren auf ein und derselben Grundlage. Schallwellen und Schwingungen von Resonanzkörpern werden in elektrische Signale mit unterschiedlicher Spannung umgewandelt. Diese werden verstärkt und erzeugen mittels einer Membrane Schallwellen die für uns Menschen akustisch wahrnehmbar sind. Der endgültige Durchbruch dieser Technik kam wohl 1925 als man die erste Schallplattenaufnahme, mit dem Pianisten Art Gilham, vor einem Mikrofon machte. So löste die Elektrik das rein mechanische Aufnahme-Verfahren über Schalltrichter ab. Dieses Ereignis war der Auslöser für viele technische Neuerungen die im Laufe der Jahre entwickelt wurden.

Ein weiterer Motor für neue Entwicklungen war die drahtlose Telegraphie und die Erfindung des Telefons!

Mikrofon

Die Entwicklung des Mikrofons ist weitaus älter! Das hängt zusammen mit der Entwicklung des Telefons. Alexander Graham Bell ist wohl (vielleicht auch Phillip Reiss) der Erfinder des Mikrofons. Am 14. Februar 1876 meldete er es als Patent an. Das Mikrofon wurde immer weiterentwickelt und Georg Neumann entwickelte im Jahr 1923 das erste Kohlemikrofon was klanglich schon sehr gut war.

Tonabnehmer (TA)

Wenn wir heute vom TA sprechen meinen wir elektromagnetische TA aber eigentlich ist die Erfindung des Tonabnehmers eine mechanische Erfindung. Mit der Erfindung des Phonographen wurde auch zwangsläufig der TA welcher sich an einem Tonarm befand erfunden (1877 von Thomas Alva Edison).

Danach wurde der Kristalltonabnehmer (Piezokristall) und später der Magnettonabnehmer entwickelt.

Die TA bei Musikinstrumenten von denen wir hier sprechen wurden nicht für Gitarren erfunden sondern für ein Soloinstrument wie die Geige. Die Gitarre war zu der Zeit ein reines Rhythmusinstrument. Die Geige machte immer Probleme bei der Aufzeichnung so hat man auch zur Zeit der mechanischen Aufzeichnung die Strohgeige(Johannes Matthias Augustus Stroh) entwickelt die einen Trichter besaßen um den Ton zu verstärken.

Tonabnehmer für Instrumente
  • 1923 hat ein Lloyd Loar einen TA bei Gibson für eine massiv gebaute Geige erfunden; sozusagen eine „solidbody“ Geige.
  • 1924 hat er einen TA für Kontrabässe entwickelt.
© Rickenbacker Katalog

© Rickenbacker KatalogDer gebürtige Schweizer Adolf Rickenbacher aus Basel, besser bekannt unter seinem späteren Namen Rickenbacker, hat den ersten Lapsteel TA in seine berühmte „Frying Pan“ eingebaut. Das war 1931 und der TA nannte sich aufgrund seines Aussehens „Horseshoe Pickup“.

1935 wurden von Rickenbacker die ersten massiven E- Gitarre mit einem Horseshoe TA ausgestattet. Diese massive E-Gitarre bekam den Namen „Electric Spanish Modell B“.

1936 bekam Charlie Christian von Gibson einen TA in seine ES-150 Archtop eingebaut. Der TA stammte aus einer Lapsteel – Gitarre.
In der Zeit vor Charlie Christian war die Gitarre in der populären Musik gerade im Swing der großen Orchester und der Tanzmusik ein reines Rhythmusinstrument. Man hat sich mithilfe eines Mikrofons verstärkt oder spielte gerne das viel lautere Banjo.

© CD Cover

Erst mit Charlie Christian und seiner neuen Solotechnik wollten immer mehr Gitarristen sich Gehör mithilfe eines TA´s und eines Verstärkers verschaffen und alle Welt verlangte nun nach „lauten“ elektrischen Gitarren.
In der Folge wurde die Gitarre allmählich zum Solo Instrument. Deshalb muss diese Ära als der Beginn der Zeitrechnung der „Gitarren TA“ und der Gitarrenverstärker angesehen werden.
Historisch gesehen ist die Broadcaster (1951) von Leo Fender „die“ entscheidende Gitarre. Sie besiegelte die untrennbare Einheit einer massiven Gitarre mit Ihrem Tonabnehmer. Der Name Broadcaster wurde dann in Telecaster umgewandelt und wie es mit der 1954 entwickelten Stratocaster weiterging wissen wir ja alle.

Gibson kaufte 1957 die Fa. Epiphone auf und brachte zeitgleich den von Seth Lover entwickelten doppelspuligen Tonabnehmer auf den Markt. Singlecoil TA hatten die Angewohnheit stark zu brummen. Mit den doppelspuligen Tonabnehmern hingegen konnte man das „Brummen“ drastisch reduziert werden. Die berühmten Humbucker (Brummunterdrücker) waren erfunden.
Trotz dieses enormen Vorteils konnten die Humbucker jedoch bis heute nicht die Singlecoils vom Markt verdrängen. Das lag wohl daran, dass der TA und die Gitarre einen bestimmten Sound erzeugen und der ist nun mal bei einer Strat mit Singlecoils und einer Les Paul mit Humbuckern so unterschiedlich wie „Himmel und Hölle“. Daraus entwickelte sich die ewige Streitfrage der E-Gitarristen welchen Sound sie denn bevorzugen.

Die ersten elektrischen Gitarren waren Lapsteel (Hawaii-Gitarren) und der Schritt die Elektrik auf eine normale Gitarre zu übertragen war kein besonders großer, außer dass man die Gitarre nicht auf dem Knie spielt und die Finger anstatt eines Slidebars benutzt!

Meiner Meinung nach haben an der Verbreitung und Weiterentwicklung der Gitarrentonabnehmer Firmen wie Gibson, Rickenbacker und Fender und die Personen die für diese Firmen arbeiteten den Löwenanteil.

Tonabnehmer „ROGER-Guitarren“ 

Wie es zu dem „wohl“ ersten Nachkriegs-Tonabnehmerbau für Gitarren kam schildert Coco Schumann im Interview mit Sören Marotz in Gitarre&Bass

G&B: Ihre erste Roger-Gitarre hat Wenzel Rossmeisl gebaut?
Schumann: Ja den kannte ich gut. Ich war ja fast jede Woche ein paar Mal bei ihm in der Werkstatt in der Martin-Luther-Straße, und habe zugeguckt wie er arbeitet.
G&B: Haben Sie auch zugeschaut, wie er Ihre Gitarre gebaut hat?
Schumann: Die war schon fertig. Die ist ja noch während des Krieges gebaut worden. (Anm. H. Rittinger: ROGER-Guitarren wurden währen des Krieges nicht gebaut. Sehr wahrscheinlich ein frühes Nachkriegsmodell.)
G&B: Und Roger Rossmeisl, der Sohn, hat sich später um die Tonabnehmer gekümmert?
Schumann: Er hat Gitarrenbauer bei seinem Vater gelernt und war noch ganz jung damals. Die Gitarren wurden seit seiner Geburt „Roger“ genannt. Ich kannte ihn natürlich. Dann war ich ein bisschen weg, im „Urlaub“ (in den KZ Theresienstadt und Auschwitz; d. Verf.). Als ich wiederkam stand eine Roger in einem Musikgeschäft in der Rankestraße. Ich bin aus dem KZ mit irgendeiner Gitarre wiedergekommen, einer richtigen Klampfe, die mir einer aus einem Musikgeschäft mitgebracht hat, wo der Besitzer wahrscheinlich ein Nazi war und getürmt ist. Darauf hab ich dann in der Ronny-Bar angefangen zu spielen. Der Geiger dort, der Hot Miller, war nebenbei ein toller Schwarzmarkt-Händler. Dem habe ich dann erzählt, dass ich die Roger für 5000 Mark gesehen habe. „Ich kauf‘ dir die“, sagte er, „musste aber bei mir abarbeiten!“. Und als dann nach dem Krieg der Helmut Zacharias kam und mich fragte, ob ich wieder bei ihm einsteige, sagte ich, dass ich keine Gitarre habe. Seine Frau Hella sprach daraufhin mit Hot Miller und schoss das Geld für die Gitarre vor.
G&B: Was war denn der Hauptgrund, warum Sie sich in die Roger-Gitarre einen Pickup einbauen ließen?
Schumann: Ich fand die Musik von Charlie Christian toll. Ich hab aber vorher nicht mal gewusst, wie der hieß.
G&B: Und dann sind Sie zu Roger Rossmeisl gegangen, damit er Ihre Gitarre auch so klingen lässt?
Schumann: Ja, wir waren ja irgendwie lose befreundet, und dann habe ich eines Tages zu Roger gesagt: „Was ist das denn für ein komischer Klang, der da aus Amerika kommt?“ „Mensch“, sagte der, „das sind Tonabnehmer, die nehmen dann die Schwingungen der Saiten elektrisch ab.“ Ich sagte: „Mann, ich möchte so was auch haben!“ Und er: „Na ja, ich kann Dir so was bauen.“

©Sören Marotz

G&B: Hatte er da schon viele Instrumente gebaut?
Schumann: Nee, mit elektrischen Tonabnehmern noch nicht. Aber er wusste Bescheid.
G&B: Woher? Hatte er irgendein Vorbild, vielleicht eine Gibson?
Schumann: Keine Ahnung, woher er das hatte. Er war sehr pfiffig und interessiert. Es gab ja keine fertigen Abnehmer zu kaufen, da hat er von den Kopfhörern, die ja bergeweise vom Militär herumlagen, die Magnete und die Spulen rausgenommen und sie dann zu einem Abnehmer zu-sammengebaut. Er hat mir gesagt, dass er alles in eine Blechschachtel mit Kerzenwachs eingegossen und dann wieder zugemacht hat. An das Schlagbrett kamen dann die zwei Regler dran. Auf den ersten Aufnahmen mit Helmut Zacharias spiele ich den Tonabnehmer noch. Ich hatte ja anfangs nicht mal einen Gitarrenverstärker, den hat mir unser Bassist, ein Bulgare, gebaut.
G&B: Die Röhren hat er sich aus Kriegsmaterial zusammengesucht?
Schumann: Ja, da gab’s solche Röhren, ich glaube die hießen P90. Die Funker haben die benutzt.
G&B: Und dann haben Sie mit der Roger-Gitarre und dem Verstärker gespielt?
Schumann: Ja. Klang ganz toll, was auf einigen Aufnahmen auch zu hören ist.
G&B: Wie hat denn das Publikum darauf reagiert?
Schumann: Wir haben ja zuerst im Ami-Club gespielt, mit Helmut Zacharias. Die kannten das ja aus Amerika. Aber als wir dann 1946 oder 1947 nach Garmisch engagiert wurden, hatten wir jeden Samstag eine Live-Übertragung vom AFN: „From the Riessersee-Hotel Helmut Zacharias“. Als ich zurückkam, war körbeweise Fan-Post in der Masurenallee, in der dieser unglaublich schöne, neue Klang bewundert wurde.
G&B: Hatten zu dieser Zeit auch andere Musiker Gitarren mit Tonabnehmer?
Schumann: Nein, erst später. Soweit ich weiß, war ich der Erste hier.
G&B: Hat die Technik denn gut funktioniert?
Schumann: Mit dem Verstärker musste ich ab und zu zum Nollendorfplatz. Da spielten wir monatelang in einer neuen Revue und da pfiff der schon mal. Dann habe ich dagegen getreten und er hörte wieder auf. Die Röhren waren natürlich empfindlich und nicht für Gitarrenverstärkung gedacht.
G&B: War der Einsatz des Tonabnehmers mehr eine Frage der Lautstärke oder der Klangfarbe?
Schumann: Ne, ne, reine Klangsache. Ich hab ja früher schon in einer Bigband, einem 16-Mann-Orchester, mit Mikrofon-Abnahme gespielt.

 Rudi Bremer
© Stefan Lob schlaggitarren.de

Nach diesen ersten Versuchen des Tonabnehmerbaus lernten die Rossmeisl´s Rudi Bremer kennen. Bremer war ein junger Man der bereits Erfahrung mit Kinobeschallungsanlagen hatte. Diese hat er gebaut und repariert.

Für „ROGER-Guitarren“ baute und entwickelte er die ersten ROGER Verstärker und Tonabnehmer. Die Tonabnehmer waren sehr elegante, frei schwebende Systeme mit dem typischen ROGER Schriftzug.

Auch die ROGER Verstärker trugen den typischen Schriftzug im trapezförmigen schwarzen Logo wie man es auf Kopfplatten von Roger Gitarren wiederfindet.

© Achim Bitz

Nachdem Roger Rossmeisl seinen Angestellten gekündigt und 1953 fluchtartig seine Berliner Werkstatt verlassen hatte, mussten die Gläubiger, unter ihnen auch Bremer, ihre Forderungen an die bankrotte Firma abschreiben. In der Folge sicherte sich Bremer die Namensrechte, sodass er seine Produkte weiterhin unter dem Namen ROGER vertreiben konnte um sich so seine Existenz zu erhalten. Er wurde später ein erfolgreicher Geschäftsmann und baute die „BREMER Transformatoren GmbH“ auf. Eine Firma die heute noch unter der Leitung seines Sohnes Thomas Bremer Transformatoren herstellt.

Die Firma Bremer hat bis Ende der 90er Jahre mit der Firma FUMA zusammengearbeitet.

Die Berliner Firma FUMA

FUMA – Feinmechanik und Massenartikel Reinhold Knispel & Co. G.m.b.H.- existierte schon lange und es gibt einige Patente von FUMA. Die unter dem Namen IDEAL bekannten Tonabnehmer sind ein Produkt der Firma FUMA, die noch bis in die 90er Jahre TA hergestellt haben. Wie allgemein üblich wurde auch auf Wunsch der Instrumentenfirmen die Produkte mit deren Logo versehen

Modell 52 war das einfachere Modell

© GEWA Katalog

Modell 55
hatte bereits 6 höhenverstellbare Schrauben (die für FUMA typischen 6 Schlitz-Schrauben) mit denen man die Lautstärken der einzelnen Saiten korrigieren konnte. Es gab Ausführungen mit festem Kabel oder mit einer Steckerverbindung.

© GEWA Katalog

In der IDEAL Serie hieß der TA „Modell:303“

© IDEAL Katalog

Später kam eine Regeleinheit für Lautstärke und Klang hinzu. Diese war in den Saitenhalter integriert, anfangs in den schlichten trapezförmigen, später dann in den mit dem R-Design. Des weiteren gab es TA Mischpulte mit dem ROGER Label. Diese fanden auch Verwendung auf den ROGER Elektro-Gitarren.

© GEWA & ROGER Katalog / Foto: Michael Valentin

Hier zwei weiter ROGER TA

Der rechte sieht aus wie von Bremer der linke ist ein einfacher FUMA mit Steckeranschluß.

Auf ganz besonderen Wunsch konnte man auch einen amerikanischen DeArmond TA montiert bekommen
Wenzel Rossmeisl importierte diese aus den USA und verkaufte sie auch an andere deutsche Gitarrenbauer wie z. B. Artur Lang.

© ROGER Katalog
ROGER Saiten und Zubehör
© GEWA Katalog

Es gab eine eigene ROGER Saiten Kollektion. Die ersten Saiten wurden in Markneukirchen von Heinrich Otto Schlosser hergestellt. Rossmeisl nahm den Standardsatz „MONEL“ und ersetzte nur die Verpackung, gegen eine mit ROGER Schriftzug. Schlosser war auch der Hersteller der „Mohawk“ Saiten die Elvis Presley währen seinem Deutschland Aufenthalt spielte. Später wurden die Roger Saiten in der BRD hergestellt. Es gab auch weiteres Zubehör wie Schildpatt-Plektren und ein besondere „ROGER Politur“ so wie diverse Gitarrengurte.

Verstärker aus den USA

Das Angebot an Verstärkern wurde durch weitere Modelle, die aus den USA importiert wurden ergänzt.

© GEWA Katalog
Quellen

Quellen

Rudi und Thomas Bremer
Sören Marotz
diverse Kataloge

Stefan Lob für schlaggitarren.de im Juli 2009

Roger Raimond Rossmeisl

Artikel von Stefan Lob in Zusammenarbeit mit Phil Kubicki

Quelle: Klaus Andrees

Roger Raimund Rossmeisl wurde 1927 als Sohn von Wenzel und Elisabeth Rossmeisl geboren. Sein Vater war der berühmte Gitarrenbauer Wenzel Rossmeisl der schon sehr früh mit dem Bau von Schlaggitarren nach amerikanischen Gibson L5 Vorbild begann. Wenzel Rossmeisl benannte seine „ROGER-Guitarren“ nach seinem Sohn.

Der Vorname war sicherlich „wohl“ gewählt. Wenzel Rossmeisl war nicht nur ein guter Gitarrenbauer und -spieler; vor allem war er ein richtig guter und gewitzter Geschäftsmann. ROGER war ein idealer Name zur weltweiten Vermarktung, da er im deutsch, englisch und französisch -sprachigen Raum identisch geschrieben wurde, lediglich die Aussprache ist eine andere.

Ende der dreißiger Jahre gab es bereits die erste Ausstellung auf der Wenzel Rossmeisl seine ROGER Gitarren in Leipzig präsentierte. Zur selben Zeit kam Roger als jüngster Schüler auf die Instrumentenbau-Schule nach Mittenwald in Süddeutschland.

Dort ging er auf eine der ältesten und berühmtesten Schulen für Violinen- und Gitarrenmacher. Eine Schule mit einer über 300 jährigen Geschichte, die heute noch Instrumentenbauer ausbildet. Ein weiterer Vorteil, war die äußerst sichere Lage der Schule. Weit vom Kriegsgeschehen entfernt, wusste Wenzel seinen Sohn Roger dort sicher untergebracht. Roger war im Alter von 8 Jahren der jüngste Absolvent. Der Schulplan umfasste den gesamten Lernstoff von Mathematik über Sprachen bis Wissenschaften und Kunst. Der Hauptbereich galt aber der Herstellung von Zupf- und Streichinstrumenten. Es war eine alte, klassische Ausbildung, in der die Haltung und der Respekt gegenüber dem Lehrmeister sehr groß geschrieben wurde. Roger hatte anfangs die Aufgabe, vor allen anderen, im eisig kalten Winter aufzustehen um das Feuer in den Werkstattöfen anzufachen, damit diese bei Arbeitsbeginn nicht frieren mussten.

©1950s Rickenbacker Int’l Corp / All Rights Reserved

Es gab noch keine modernen, elektrischen Werkzeuge und die Schüler wurden mit den klassischen Handwerkzeugen unterrichtet. Gearbeitet wurde an schweren, dicken und soliden Hobelbänken. Es gab vier verschiedene Einspannvorrichtungen für die Werkstücke. Die Auflagefläche der Hobelbank musste sauber und eben sein. Roger erinnerte sich gut an seinen Meister, der mit einer Wasserwaage durch die Werkstatt ging und die Oberflächen genau überprüfte. Entsprachen sie nicht seinem Standard, mussten sie so lange bearbeitet werden, bis sie 100% plan waren.
In der Schule wurde die alte und traditionelle Herstellungsweise von klassischen Instrumenten unterrichtet. Manche Schüler lernten den Violinenbau oder den Cello- und Kontrabassbau. Andere wiederum bauten Zupfinstrumente. Für die Bemaßung der Instrumente wurde ausschließlich das metrische System benutzt. Roger benutzte auch 25 Jahre später bei FENDER das metrische System für seine Baupläne.
Roger erinnerte sich, dass im Laufe des Krieges die Zeiten härter wurden. Es gab kaum mehr Werkstoffe. Alles wurde organisiert. Lebensmittel wurden knapp aber es war immer noch ein relativ sicheres Leben und der Lehrplan wurde planmäßig weitergeführt.

Vater & Sohn

Direkt nach dem Krieg begannen Vater und Sohn gemeinsam zu arbeiten. In dieser Zeit gab es die größten Entwicklungsschritte im ROGER Gitarrenbau und bei der Elektrifizierung ihrer Instrumente
In Berlin fing Roger an mit der elektrischen Abnahme von Roger-Gitarren zu experimentieren und lernte Herrn Bremer kennen, der die ersten Verstärker und Tonabnehmer für die Fa. ROGER herstellte und auch unter diesem Namen vertrieb.

Mehr dazu im Artikel: ROGER: Verstärker, Tonabnehmer und Zubehör

Wenzel Rossmeisl entwickelte und patentierte ein spezielles Verfahren zur Herstellung von Decken und Böden. In Rogers USA Zeit verwendete er dieses bei Rickenbacker und später bei Fender. In Amerika entstand dafür die Bezeichnung „German Carve“. Mehr dazu in Herbert Rittingers Artikel über Wenzel Rossmeisl. Roger legte im Jahre 1950, im Alter von 23 Jahren die Meisterprüfung ab und war der jüngste Meister in seiner Zunft.

Quelle: Klaus Andrees

Im Gespräch mit mehreren Personen die Wenzel und Roger persönlich kannten ergab sich immer das gleiche Bild. Beide traten eher wie Brüder auf denn als Vater und Sohn. Sie legten sehr viel Wert auf Ihr äußeres Erscheinungsbild und trugen oft sehr extravagante Kleidung. Da sie nicht nur Gitarrenbauer waren, sondern Ihre Instrumente auch als Musiker beherrschten, wurden sie schnell ein Teil der aufstrebenden und verrückten Berliner Jazz und Tanzmusik Szene. Von Roger ist bekannt, dass er gerne Tennis spielte und sich ein sehr teures und extravagantes Auto als Einzelstück anfertigen ließ. Beide waren äußerst galant und charmant und kamen bei der Damenwelt gut an. Das Geschäft florierte aber im Gegensatz zu seinem Vater, konnte Roger nicht gut mit Geld umgehen und er häufte in kurzer Zeit einen großen Berg Schulden an. Bereits in jungen Jahren waren die ersten Anzeichen von Alkoholproblemen und einer ausgeprägten Spielsucht erkennbar. Dies sollte sich wie ein roter Faden durch sein gesamtes Leben ziehen. Nachdem sein Vater Wenzel im Zuchthaus saß und Roger den Betrieb, aufgrund seiner hohen Privatschulden in den Konkurs gebrachte hatte, gab es für ihn nur noch einen Ausweg; die Flucht!

ROGER in den USA

Er suchte nun sein Glück in den USA. Mit seinem Vater war er zerstritten und in seiner alten Heimat hatte er hohe Schulden hinterlassen, unter anderem auch bei Herrn Bremer. Als Entschädigung sicherte sich dieser die Rechte an dem Namen „ROGER“ um weiterhin seine Orchesterelektronik unter dem Markennamen ROGER vertreiben zu können. Dieses habe ich von Herrn Bremer erfahren, der noch Schriftverkehr aus der frühen USA Zeit besitzt und mir diesen Brief vorgelesen hat.

Quelle: Rudi Bremer

Roger Rossmeisel ging 1953 nach Amerika, um bei GIBSON als Gitarrenbauer zu arbeiten. Er schrieb Ted McCarty, dem Präsidenten von GIBSON und schickte ihm sein Diplom als Gitarrenbaumeister. Roger bekam den Job und ein Ticket für die Überfahrt. Im ersten Jahr bei GIBSON entwickelte er eine neue Jazzgitarre. Diese passte aber nicht in das GIBSON-Programm und es gab Streitigkeiten. Roger verließ GIBSON.
Er machte erst einmal Ferien, die ihn auch nach Kalifornien führten. Da er auf Arbeitssuche war, ergab sich dort ein erster Kontakt zu RICKENBACKER.
1953 wurde der Gitarrenmarkt durch Leo Fenders Telecaster Gitarren und den Precision Bass stark aufgewühlt. Francis Hall, der spätere Inhaber von Rickenbacker (hieß damals noch „Electro String Instrument Corporation“) hatte zu dieser Zeit eine Radioreparaturwerkstatt mit dem Namen „Hall’s Radio Service“.
Bis zum Jahr 1946 stellte Leo Fender „Lap Steel“ Gitarren und Verstärker her und F.C. Hall vertrieb diese Produkte. Der Verkauf von Telecaster Gitarren und Precision Bässen lief sehr gut. Die Vertriebswege wurden verändert und es entstand die neu organisierte Vertriebsfirma „Fender Sales Company“. Die neuen Geschäftspartner waren Leo Fender, Francis Hall, Charly Hayesand und Don Randall. Die beiden Letztgenannten waren Mitarbeiter von Hall.
Als die Popularität von Telecaster Gitarren, Precision Bässen und Fender Verstärkern immer größer wurde, hatte Francis Hall die Idee, selbst Musikinstrumente herzustellen und zu vermarkten. Ende 1953 hörte Hall, dass Adolph Rickenbecker seine „Electro String Instrument Corporation“ verkaufen wollte. Hall konnte die Firma und das Namensrecht an Rickenbacker erwerben. Ab Dezember 1953 leitete Paul Barth die Firma. Dieser war lange Zeit als Manager bei Rickenbacker tätig. Sie produzierten „Lap Steel“ Gitarren und Verstärker.
Anfang 1954 wurde Roger Rossmeisl von Paul Barth eingestellt. Das war der richtige Zeitpunkt, denn neben Leo Fenders neuen Instrumenten, designte man bei Rickenbacker eine ganz neue Gitarrenlinie.
Die Einstellung von Roger als versierten Gitarrenbauer und die gemeinsame Energie von F.C. Hall und Paul Barth führte zu Rickenbackers ersten zeitgenössischen und modernen Elektro-Gitarren Serie.
Die COMBO 800 war ein gemeinschaftliches Resultat der Arbeit von Rossmeisl, Barth und Hall. Die nächsten acht Jahre war Roger Rossmeisl verantwortlich für die Entwicklung und Konstruktion der meisten Rickenbacker Gitarrenmodelle.

© 1955 Rickenbacker Katalog
Roger war Chef -Designer und -Konstrukteur bei Rickenbacker 
© 1950s Rickenbacker Int’l Corp / All Rights Reserved

Dort hat er sehr viele Gitarrentypen entwickelt. Für Roger Fans ist die Serie 390 besonders interessant, da sie viel sehr viel Ähnlichkeit mit den deutschen ROGER Modellen hatten. Besonders auffällig sind das „German Carve“ und der Roger typische Aufstellsteg. Er verwendete auch die vielfach gesperrten Hälse.

Ein besonders Markenzeichen seiner Gitarren sind die Schalllöcher in Form eines Kometenschweifs, die wiederum zu einem Markenzeichen von Rickenbacker wurden.
Die 390 war das rein akustische Modell, die 391 wurde mit zwei Rickenbacker Tonabnehmern bestückt und die 392 hatte Tonabnehmer und ein zusätzliches Tremolo System.

© 1950s Rickenbacker Int’l Corp / All Rights Reserved
Sam Cooke testet ein 390 bei Rickenbacker

Bei Rickenbacker hatte Roger die Möglichkeit zu experimentieren

©1950s Rickenbacker Int’l Corp
All Rights Reserved

So entstand sicherlich diese expressionistische „El Toro“ die aber leider nie in Serie ging und nur als Prototyp gebaut wurde.

Roger und die E-Gitarre
©1950s Rickenbacker Int’l Corp/ All Rights Reserved
(Roger cutom build)

Die von Roger gebaute Gitarre auf dem Bild (oben) , könnte ein Indiz dafür sein, dass sich Vater und Sohn wieder angenähert haben. Es ist sicher kein Zufall, dass man bei der Fa. ROGER-GUITARREN in Deutschland ein sehr ähnliches Modell einer hohlen Elektro-Gitarre auf den Markt brachte (siehe Katalog Bild unten). Auch die deutschen „R-Form“ Saitenhalter (inspiriert von Rickenbacker und Guild) der ROGER Gitarren lassen vermuten, dass es wieder Kontakt zwischen Vater und Sohn gegeben haben könnte.

© ROGER Katalo

Bei Rickenbacker hatte Roger sicherlich die kreativste Zeit als Gitarrenbauer und konnte sich in den USA einen legendären Ruf als genialer Gitarrenbauer und Konstrukteur erarbeiten wie sein Vater viele Jahre zuvor schon in Deutschland.

Die Fender Jahre

© Quelle: American Guitars
Roger Rossmeisl bei FENDER

1962 ging Roger zu Fender. Hier gab man ihm den Auftrag, eine neue Jazzgitarre zu entwickeln die den Markt erobern sollte. Daraus entstand die Fender Ltd, eine Gitarre im Stile der ROGER-Jazzgitarren, die er schon in den 40er und 50er Jahren in Berlin gebaut hatte.

In einer neuen Produktionsstätte in Missile Way in Fullerton, Kalifornien, entwarf er eine Produktionsanlage für die Herstellung der neuen Gitarrenlinie.

Hier ein Bericht von Rogers ehemaligem Mitarbeiter Philip Kubicky über Roger Rossmeisl und die Entwicklung und den Bau der Fender Ltd und Montego:

Die Fender Ltd wurde präsentiert als CBS, Fender´s Einstieg in den Jazzgitarren Markt. Sie diente als glanzvolles Beispiel dafür, dass Fender die Fähigkeit besaß, eine hochwertige, handgemachte und einzigartige Jazzgitarre zu produzieren, die sich gegen die bereits etablierten Jazzgitarren anderer Hersteller, vornehmlich der Firma GIBSON, behaupten konnte.
Die LTD war zu dieser Zeit die teuerste Gitarre im Fender Programm.
Roger Rossmeisl startete 1962 seine Karriere bei Fender mit dem Bau der „Acoustic King“ und von Fender Konzert Gitarren. Um 1966 wurde die Produktion an den Fender Gitarrenbauer „Babe Simoni“ übertragen. Roger wurde der Leiter der Abteilung R&D für den akustischen Gitarrenbau (R&D ist die Abkürzung von Research & Development, zu deutsch: F&E = Forschung & Entwicklung).

Seine Aufgabe bestand darin, eine neue Jazzgitarren Linie zu entwickeln. Diese neue Linie sollte aus mehreren Modellen bestehen welche auf dem Markt gefragt waren. Roger stellte mich 1964 als Arbeiter im Bereich der akustischen Gitarren Produktion ein. Ich verblieb dort, während Roger in die R&D Abteilung wechselte. So kam es, dass wir ein Jahr lang keinen direkten Kontakt mehr hatten.
Nachdem Fender 1965 von CBS gekauft worden war errichteten sie, neben den 9 alten Fender Gebäuden, ein neues 11150 Quadratmeter großes Firmengebäude. Die gesamte akustische Abteilung, einschließlich der Abteilung Banjobau (geleitet von Dean Markel) zog in dieses neue Gebäude. Die Mitarbeiter hatten, auf der Rückseite des Gebäudes, jeweils einen eigenen Eingang zu den verschiedenen Abteilungen.
Ging man durch den vorderen Haupteingang, durch zwei große Glastüren, kam man in eine großzügige Empfangshalle. Dieser Eingang führte zum Bürotrakt und wurde von einem Sicherheitsdienst bewacht. Hunderte von Mitarbeitern arbeiteten zu dieser Zeit in dem Gebäude.
Eines Morgens stand in der Empfangshalle ein großer Glaskasten auf einem Podest. Darin befand sich Roger´s erste handgearbeitete Jazzgitarre. Es war eine Schönheit in sunburst Lackierung mit vergoldetem Zubehör.
Ich dachte nur: „So, so Roger! Das war es, was Du all die Zeit gemacht hast“!
Der Grund für die Ausstellung war eine Namenssuche. Da man sich noch für keinen Namen entschieden hatte, gab es die Idee die Angestellten nach Vorschlägen für einen Namen zu befragen. Mir fielen so viele Namen ein aber ich schlug nur einen vor; „Carousel“!

Schließlich nannte man sie „Ltd“

Kurz danach bekam ich einen Anruf von Roger. Er wusste, dass ich eine Abendschule besuchte, in der ich mich im Fach Metallkunde weiterbildete. Er fragte mich etwas über „aging“, ein Metallbegriff der das Altern von Metallen beschreibt. Ich verstand gar nicht so richtig, warum er mich anrief. Vielleicht wollte er nur einmal Kontakt aufnehmen, denn kurze Zeit später lud er mich ein, seine R&D Abteilung zu besuchen welche eigentlich für niemanden, der dort nicht arbeitete, zu besichtigen war. Er hatte gerade das Design der Ltd und der Montego Jazzgitarre fertiggestellt und fragte mich ob ich sein Assistent werden möchte. Seit 5 Jahren hatte ich meine Fähigkeiten als Arbeiter in der Produktion weiterentwickelt. Dieses Angebot war eine große Chance für mich. In zwei Tagen hatte ich meinen eigenen Parkplatz neben Roger, Freddie Tavares, Seth Lover (der in Rogers-Gebäude einen Raum mitbenutze), Harold Rhoads, Gen-Felder, und anderen. Das war ca. 1968.
Roger´s Abteilung war in Gebäude 3, eines von den 9 ursprünglichen Gebäuden.
Roger hatte eine schöne Werkstatt zur Holzbearbeitung mit allen erforderlichen Maschinen für die Herstellung der Ltd. Es gab zwei große, aus Deutschland importierte Werkbänke mit 5 Zoll dicken, massiven Ahornplatten mit riesigen Einspannvorrichtungen die speziell für den Bau von Violinen, Violincello, und Gitarren angefertigt waren. Fender besitzt diese immer noch! Wir hatten eine Poliermaschine, Kanten-Bandschleifer, Fräsen, Abricht-Hobelmaschine, Spritzkabine, Bandsäge, Tischkreissäge und eine Menge von Handwerkzeugen; viele davon waren Roger´s eigene.
Die Abteilung nannte sich „Acoustic Guitar Research and Development“ aber tatsächlich wurde viel mehr gemacht. Sie wurde zur Erforschung jeglicher Prototypen genutzt. Egal ob es Holzarbeiten oder Arbeiten an elektrischen oder akustischen Instrumenten waren. Der Schwerpunkt lag bei der Ltd und der Montego aber irgendwie lief immer ein weiteres „Spezial Projekt“ parallel.

Roger beendete gerade ein Projekt mit dem Namen „Zebra Gitarre und Bass“. Zu dieser Zeit hatten die „Beatles“ und die „Rolling Stones“ einen großen Einfluss. In London entwickelten sich parallel zu den Musikrichtungen die „Mods“ und die „Rocker“. Der Zebra Projekt Gitarre, gab man daraufhin den Namen „Rocker Guitar“ und der Bass bekam, als Gegenstück, den Namen „Mod Bass“. Die Instrumente wurden aber niemals produziert es gab lediglich die Prototypen von Roger. Das Foto von Roger im Gespräch mit Wes Montgomery, vor Roger’s Werkbank im R&D, zeigt ein Zebra Gitarren Prototyp auf der Werkbank (Bild wird noch von Phil nachgereicht). Der massive Korpus bestand aus solidem Zebranoholz, geschnitzt wie die Jazz-Gitarre Ltd. Wes und sein Bruder, Monk, besuchten uns gelegentlich.
(Phil sucht das Bild noch – sobald ich es habe, wird es eingefügt! VERSPROCHEN!)

Als ich in der Abteilung anfing war Roger bereits soweit, dass die Produktions-Einzelheiten der Montego und Ltd bekannt waren. Der Montego Korpus sollte in Deutschland hergestellt werden. Dieser kam komplett verleimt inkl. der Ziereinlagen. Es war ein gut verarbeiteter Korpus, hergestellt aus europäischen Hölzern. Verwendet wurde Fichte und geflammter Ahorn, der heller war als der amerikanische Ahorn. Der Montego Korpus hatte eine gewölbte, selektierte und laminierte Fichtendecke. Zarge und Boden bestanden aus hellem, geflammtem europäischen Ahorn. Die Korpusse waren roh. Die Lackierung wurde in der R&D Abteilung gemacht.
Die Ltd war eine aus dem vollen Holz geschnitzte Jazzgitarre mit der gleichen Form wie die Montego. Die Ausformung der Hohlkehle und das spezielle und einzigartige „Carving“ hatte Roger von seinem Vater Wenzel Rossmeisl gelernt („The arch shape took place in an area 2″ from the edge of the rim. From the binding the top dipped down. 150″, then curved up .350″ all within 2″ from the rim, leaving the raised portion of the top flat.”).
Die f-Löcher wurden bearbeitet aber nicht eingefasst, um zu zeigen, dass die Decke tatsächlich aus massiver Fichte bestand. Der Boden wurde im selben, Roger typischen Stil, gearbeitet.
Die groben Fräsarbeiten wurden auf der „Northstar-Fräse“ gemacht. Dieses war eine Kopierfräse für die man ein Muster benötigte. Der Handwerker führt einen Abtaststift, an einem Arm, über das Muster. Auf einem anderen Arm (verbunden mit dem Abtaststift-Arm) ist ein Fräskopf montiert. Alles was der Abtaststift fühlt, setzt die Kopierfräse 1:1 auf dem Werkstück um. Mein Problem bestand darin, dass wir kein Muster hatten.
Der Ltd Prototyp wurde komplett von Roger in Handarbeit gefertigt. Aufgrund der Toleranzen war es eine besonders anspruchsvolle Arbeit die Fräs-Muster herzustellen. Es gab auch eine Schablone für den Boden.
Es wurden 6 Gitarren gleichzeitig hergestellt.
Die Decken wurden erst gefräst und dann geschliffen. Danach wurden die f-Löcher gestochen und es wurde eine Doppel-Bebalkung aus Fichte aufgeleimt. In einem nachfolgenden Arbeitsgang wurde diese Bebalkung noch von Hand nachgeformt. Danach verleimte man Decke und Zarge. Die Zargen der Ltd waren identisch mit den Montego Zargen und wurden auch aus Deutschland importiert.
Die Zierstreifen bestanden aus fünf Einzelstreifen die gleichzeitig angeleimt wurden. Roger hatte Freude dran, diese Zierstreifen selbst zu verleimen und er machte es deshalb oft selbst. Danach wurde alles für die Lackierung vorbereitet. Dies war ein zeitraubender Vorgang bis die Konturen perfekt ausgeformt und geschliffen waren. Dann wurde der Halsübergang gefräst und der Korpus war fertig zum Lackieren. Roger entwickelte einen Farbverlauf aus einer transparenten Farbe die sich nach der Versiegelung zum sunburst entwickelte. Die Mitte wurde mit einem schillernden Gelb gespritzt und alles mit klarem Spezial-Lack (Fullerplast) überzogen. Die Farbschicht auf den Zierstreifen wurde wieder abgekratzt. Es folgten ein weiterer Schleifvorgang und die Endlackierung. Nach dem Trocknen wurde noch einmal geschliffen und dann poliert. Am Ende wurde von Roger ein letztes Finish durchgeführt. Die Hälse für die Montego und die Ltd wurden auch von uns hergestellt. Sie waren identisch bis auf die Kopfplattenauflage und eine spezielle Einlage im Griffbrett der Ltd. Die Kopfplattenauflagen mit Perlmutt- Intarsien wurden auch in Deutschland hergestellt. Das Logo bestand aus drei gespiegelten „F´s“. Das Logo der Montego wurde inspiriert durch eine Vorlage aus dem Tropicana Hotel in Las Vegas.
Das Griffbrett der Ltd hatte eine weiße Einfassung und zusätzliche schwarz/weiß/schwarze Rand-Einlagen. Die Montego hatte nur eine einfache, weiße Griffbrett-Einfassung. Die Hälse bestanden aus geflammtem Ahorn, kanadischem „Blister“ Ahorn, mit einem Mittelstreifen aus Padauk, indischem oder Ost-indischem Palisander. In beiden Hälsen verwendete Roger Stellstäbe die in 2 Richtungen einstellbar waren.. Die Mensur betrug 64,77 cm und es wurden medium Bundstäbchen verwendet. Im Griffbrett gab es Positions-Einlagen aus Perlmutt.
Freddie Tavares entwickelte für beide Modelle die Tonabnehmer und die Elektronik. Der Tonabnehmer war ein spezieller Humbucker, entwickelt für einen Jazz-Sound. Es war ein floating System, am Hals befestigt und freischwebend über der Decke. Roger besorgte wunderschön geflammtes Perloid Material aus Italien aus dem die Schlagbretter hergestellt wurden. Diese wurden mit vielschichtigen schwarz/weißen Zierstreifen eingefasst. Die Schaltung bestand aus einem Lautstärke und einem Tonregler und einer Mini-Klinkenbuchse (alles in einem Messing-Rahmen montiert) der unter dem Schlagbrett angebracht wurde.
Wir bauten nur 36 Ltd Archtops. Eine blonde Ltd wurde im Katalog angeboten aber diese wurde nie gebaut. Ich habe alle 36 gesehen aber keine mehr, seitdem ich Fender verlassen habe. Ein paar habe ich unter der Decke signiert. Mit einem Spiegel kann man das Signum durch die F-Löcher erkennen. Im Laufe der Produktion unserer Archtops wurden wir von vielen namhaften Musikern besucht; Wes und Monk Montgomery, Joe Pass, Jimmy Stewart, Cannonball Adderly und Toots Thielmans. Diese Besuche bescherten uns unvergessliche Momente und bleibende Erinnerungen.
In unserer Abteilung für Jazzgitarren gab es, innerhalb dieser 3 Jahre, viele weiter Projekte.
1971 verließ Roger das Unternehmen und ging zurück nach Deutschland. Er versuchte so viel wie möglich von seinem Eigentum mitzunehmen. Er verkaufte einen Großteil seines Besitzes. Den Rest gab er mir.
Die Abteilung für Jazzgitarren schloss, nachdem ich die letzte Gitarre zusammengebaut hatte.
Auf Anfrage von Gen-Felder begann ich ein letztes Projekt im D&R, die erste Starcaster Gitarre.
Aber dies ist eine andere Geschichte!

Anmerkung von Stefan Lob
Zu der Fender Zeit hatten sich Vater und Sohn wieder versöhnt und Weihnachten 1964 besuchten Wenzel und Marianne Rossmeisl, Roger, seine Frau und deren Sohn, der auch Roger hieß, in deren Haus in der Nähe von Los Angeles. Den Angaben von Marianne Rossmeisl zufolge soll die Ehe von Roger zu diesem Zeitpunkt nicht mehr intakt gewesen sein.
Leider wurden die Ltd und die Montego kein Verkaufsschlager. Das lag sicherlich nicht an den Gitarren sondern an der Zeit. Für hochwertige Archtops war kaum mehr ein Markt vorhanden. Es machte Roger sicherlich schwer zu schaffen, dass er nicht mehr an seine Erfolge bei Rickenbacker anknüpfen konnte. Dieses und seine privaten Probleme waren sehr wahrscheinlich die Gründe warum er nach Deutschland zurückkehrte.
LTD von Friedrich Hoppe alias Fritz Blitz

Diese Ltd kaufte Friedrich Hoppe in den 80er Jahren. Der original Verkaufspreis lag bei ca. 8500 DM aber er bekam Sie zu einem weitaus besseren Preis, da sie bereits 5 Jahre unverkauft im Musikgeschäft lag und es einfach keinen Käufer für dieses wundervolle Instrument gab.

Es ist die Nummer 30 mit einer Unterschrift von Roger Rossmeisl. Das Datum der Unterschrift ist der 30.6.71.
Friedrich besitzt auch noch original Kataloge aus dieser Zeit die er mir als Scan zur Verfügung gestellt hat.

1971 bis 1979 zurück in Deutschland

Dieser Lebensabschnitt war sicherlich die traurigste und schlimmste Zeit in Rogers Leben.

Tief enttäuscht von der Fender Pleite kam er 1971 nach Deutschland zurück. Er brachte nichts mit in seine alte Heimat außer ein paar Werkzeugen und einen amerikanischen Straßenkreuzer. Ob er noch weiter im Gitarrenbau oder Handel beschäftigt war ist mir nicht bekannt. Sein Alkoholproblem, das seit der Berliner Zeit sein ständiger Begleiter war, hat er nie in den Griff bekommen. Ein Zeitzeuge berichtet, dass Roger sich 1979 in einem Hotel in Bubenreuth erhängt hat.

Abschließende Betrachtung

© 1950s Rickenbacker Int’l Corp All Rights Reserved

Roger Rossmeisl war ein Mensch der sicherlich polarisierte. Auf der einen Seite ein genialer Konstrukteur und Gitarrenbauer auf der anderen Seite ein labiler Mensch mit Suchtproblemen, der es oft nicht leicht hatte von seinen Mitmenschen verstanden zu werden und sicherlich hatte seine Umwelt auch Schwierigkeiten ihn zu verstehen. Wie so oft, liegen bei hochkreativen Menschen, Genie und Wahnsinn eng beieinander.

Er wollte so erfolgreich sein wie sein berühmter Vater. Aus meiner Sicht hatte er dieses, Ziel in seiner Rickenbacker Periode längst geschafft. Sein Bekanntheitsgrad in den USA ist größer als der seines Vaters.

Für mich ist er einer der genialsten und kreativsten Gitarrenbauer des letzen Jahrhunderts.

Danksagung und Quellen

Philip Kubicki
Er begann seine Karriere bei Fender Musical Instruments, 1964. Neun Jahre arbeitet er dort und beschrieb sein Zeit mit Roger Rossmeisl in den beiden Artikel für die Zeitschrift “Vintage Guitar Magazin“:

Freundlicherweise stellte er mir das gesamte Material für meine Webseite zur Verfügung und ich durfte seine Texte frei ins deutsche übersetzen. Seine Texte sind an den gelben Kästen zu erkennen. Wer wissen möchte was Phil heute so macht schaut am besten mal auf seine Webseite:
www.kubicki.com

Herbert Rittinger
Herbert Rittinger möchte ich ganz besonders danken. Nicht nur für das Material, das er mir zur Verfügung stellte und seinen unglaublich gelungenen Artikel über Roger Rossmeisl. Er steht mir jederzeit mit Rat und Tat zur Seite und trägt sehr viel zum Gelingen von schlaggitarren.de bei!

Rudi und Thomas Bremer
Herr Bremer hat mir in Eindrucksvoller Weise seine Zeit mit den Rossmeisls geschildert. Von Ihm stammen viele Informationen. Vielen Dank für das tolle interview. Vielen Dank auch an seinen Sohn Thomas Bremer der mir den Kontakt zu seinem Vater und zu Klaus Andrees vermittelt hat.

Firma Rickenbacker
Rickenbacker hat auf der Webseite ein umfangreiches Archiv an Galerie Bildern und historischen Katalogen. Da ich es nicht schaffte einen direkten Kontakt zu Rickenbacker herzustellen, half mir der deutsche Rickenbacker Vertieb peerpro-enterprises GmbH.

Stefan Lob für schlaggitarren.de im Juli 2009

Impressum

Angaben gemäß § 5 TMG:

Stefan Lob Webmaster i.A von Herbert Rittinger

Baumgartenstraße 18
53797 Lohmar

Mobil: 0172 / 2914402

E-Mail: info@schlaggitarren.de

Quellenangaben für die verwendeten Bilder und Grafiken:

Alle Angaben befinden sich unter den Bildern. Es kann ebenfalls eine ganz genaue Exel Tabelle angefordert werden die alle Daten beinhaltet.

Quelle: Impressumgenerator von e-Recht24.de

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KAP07  BILDER – AUDIO – VIDEO

ROGER BILDER GALERIE

Freunde – Kollegen
Vorkriegszeit bis 1939
« von 9 »
Vorkriegszeit bis 1939

Wenzel Rossmeisl

« von 3 »

Orchester-Bands    

« von 4 »

Filme

« von 3 »
Kriegszeit 1939-1945
Nachkriegszeit ab 1945

Bands

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Roger jun.

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Wenzel & Marianne

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Messen

« von 4 »

Werkstätten

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Dokumente & Presse

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Bildsortierung nach Themen

       Konstruktionsdetails       

       Bodenmittenspan 

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       Seltene Griffbretteinlagen

« von 2 »

       Modell mit tiefem Cutaway  

« von 2 »

       Modell SUPER-F-Loch

       Modell SEMI    

       Modelle schwarz     

       Modelle weiss         

       Modelle Edelhölzer     

« von 2 »

       Modelle gepresst     

       Hawaii-Guitarren     

       Letzte ROGER-GUITARREN  

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       Modelle Ära Roger 1951-53

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BILDER VON UND MIT ROGER-GUITARREN

JUNIOR

« von 3 »

STANDARD

« von 3 »

LUXUS-ULTRA

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SUPER

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ELECTRIC

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AUDIO - VIDEO MIT ROGER GUITARREN 
Bildrechte:
- Dress
- Dr. Ramm Weber
- HR
- M. Kelly
- Knu 92
- Snap
- Ol`Fret
- eBay
- Marco Wrobel
- lacquercracks
- Christoph Göpner 
- Tsumura book
- Rechner D.
- Hierzberger
- nate_lamy
- Arjen
- MK
- Rebmann Alex
- Germ. Vint. Guitar
- MG
- euroguitars
- Musikinstr. Museum
- Brand Michael
- Buchsteiner
- Oliver Schultze
- Bill Henk
- Johann Huber
- Rumpf
- Michael Karr
- Brodersen
- Daniel Kessel
- Dynasonic
- KA
Falls es jemand ganz genau wissen möchte, es gibt eine detaillierte Excel Liste für jedes Bild auf dieser Webseite.
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KAP09  SONSTIGES

ROGER GUITARREN AUS FERTIGUNGSTECHNISCHER SICHT – GERMAN-CARVE MODELLE

Für einen Menschen wie mich, der sich, aufgrund seiner Ausbildung und beruflichen Tätigkeit, zeitlebens mit der Rationalisierung von Organisations- und Fertigungsprozessen beschäftigt hat, war es interessant, das Fertigungsmanagement von ROGER zu studieren und auszuwerten. Was dabei herauskam hat mich positiv überrascht.

Die nachfolgende Auflistung und Erläuterung der einzelnen Rationalisierungsmaßnahmen sollen den hohen Stellenwert des Kostenmanagements im Hause ROGER dokumentieren:

Rationalisierung bei der Herstellung von Decken und Böden – German Carve

  • geringere Brettstärke und Verwendung von parallelen Brettern
  • plane Decke: Einsparung an Bearbeitungszeit, keine Steganpassung notwendig
  • Hohlkehle gefräst: Es mussten nur die Ränder nachgearbeitet werden
  • Plane, gefräste Decken-Innenkontur: Keine Nacharbeit erforderlich

Rationalisierungsmaßnahmen den Korpus betreffend

  • Es gibt nur eine Korpusform- und Größe für die meistverkauften Modelle
  • Schalllöcher nicht nachgearbeitet
  • Symmetrische F- Löcher erfordern nur eine Schablone
  • Schalllöcher nicht eingefasst, mit Ausnahme des Modells SUPER
  • Sparsames Binding beim meistverkauften Modell JUNIOR

Rationalisierungsmaßnahmen den Hals betreffend

  • Durch die konische Mittelholzplatte im Rohblock entfällt die Bearbeitung der Halsbreite
  • Hals- und Halsfußprofil mittels Profilwerkzeugen fertig gefräst
  • Das Halsfußende wird durch angeleimte Restholzstücke auf Maß gebracht
  • schichtverleimtes, geschliffenes u. lackiertes Holz erübrigt eine zusätzliche Kopfplatte
  • Keine Ziereinlagen in der Kopfplatte
  • Halslackierung nur in naturell für alle Modelle und Farboptionen
  • Kein Perlmutt für das Logo und dessen Einlage; Logo als Abzugsbild ab ca.1957
  • Keine Verwendung von teurem Ebenholz für das Griffbrett und den Steg bis ca.1959
  • Keine Perlmutteinlagen im Griffbrett bis Ende der 50er Jahre
  • Kein Binding an Hals und Kopfplatte beim Modell JUNIOR
  • Verzicht auf eingelegte Metallschiene und Trussrod bis Ende der 50er Jahre
  • Verwendung von preiswerten aber qualitativ guten, offenen Einzelmechaniken
  • Bevorzugte Verwendung der Mechaniken mit LOGO für alle Modelle bis Ende der 50er Jahre

Sonstige kostensparende Maßnahmen

  • Es gab keine Sonderanfertigungen wie dies bei vielen anderen Herstellern üblich war.
  • Auch bei der Lackierung wurde gespart.  Es gab nur rotbraun schattiert und naturell
  • Konsequente Verwertung von Werkstoffen und Teilen; nichts wurde weggeworfen.
    • Beispiel Label: Alle vorhandenen Label wurden aufgebraucht. So gab es beispielsweise keinen Zettel von der Berliner Werkstatt in der Lützowstraße. Die Instrumente aus der dortigen Produktion wurden alle mit dem Label aus der Lutherstraße gemarkt. Ähnliches passierte auch nach dem Umzug von Mittenwald nach Neumarkt St. Veit.
  • Auch bei den Katalogen wurde konsequent gespart.

All diesen Bemühungen liegt ein hohes Maß an Kreativität und Erfindergeist zugrunde.

Wenzel Rossmeisl war es gelungen seinen wichtigsten Leitsatz auf seine Firma zu übertragen:

GRÖSSTMÖGLICHER  NUTZEN  BEI GERINGSTMÖGLICHEM  AUFWAND

Bemerkenswert ist, dass alle Maßnahmen zur Minimierung der Kosten weder die Funktionalität noch das Erscheinungsbild negativ beeinflussen.  Vielmehr verleiht der Verzicht auf jeglichen Schnickschnack dem Äußeren eine zeitlose Eleganz und ist Teil des Erfolgs von ROGER. Mir ist kein Unternehmen in dieser Branche aufgefallen, das einen ähnlich hohen Rationalisierungsgrad in seinen Fertigungsprozessen vorweisen kann wie dies bei ROGER der Fall war. 

WIE KLINGT EINE ROGER?

Aufgrund der speziellen Herstellungsweise von Decke und Boden ist die ROGER eng verwandt mit einer FLATTOP.   Kein Wunder also, dass diese Verwandtschaft auch im Klangverhalten zum Ausdruck kommt. Der völlig eigenständige Klang der ROGER kann mit folgenden Attributen beschrieben werden:

LAUT – PERKUSSIV – ROSSIG

Mit sehr guter Ansprache, gutem Durchsetzungsvermögen und einem schnellen Attack.  Die Bässe und das Sustain sind in der Regel nicht übermäßig ausgebildet, dafür sind aber die Mitten sehr stark. Elektrisch gespielt gibt es, der dicken Decken wegen, weniger Probleme mit dem Feedback. Zum elektrischen Sound möchte ich kein Urteil abgeben, zumal die standardmäßigen Hals-Pickups von Fuma nicht gerade zur Premiumklasse der Tonabnehmer zählen.  Für mich steht das akustische Spiel im Vordergrund weil es den eigenständigen Klang des Instruments am besten zu vermitteln vermag.  Wegen dieser Eigenschaften ist die ROGER sehr beliebt bei den Anhängern des Gypsy Jazz, aber auch in anderen Stilrichtungen macht sie eine gute Figur.

Die Beschreibung der klanglichen Eigenschaften von German-Carve Modellen trifft aber nicht für alle Instrumente in gleichem Maße zu. Es hat sich gezeigt, dass Unterschiede in der Endbearbeitung von Decken und Böden, aber auch die Maße (Dicke) derselben das Klangbild verändern. Gitarren mit leichter Deckenwölbung, infolge größerer Übergänge der Hohlkehle zur Deckenmitte hin, klingen jazziger und weicher. Das trifft vorwiegend für Instrumente und Komponenten zu, die von gelernten Geigenbauern wie Olga Adelmann und Adi Feil fertiggestellt wurden.  

Wichtiger Hinweis:  
Um das Leistungsvermögen einer ROGER voll ausschöpfen zu können braucht es starke Saiten.  Unter .013 sollte keine ROGER bestückt sein.  Keine Angst, der Hals hält das aus wenn die Verleimung des Griffbretts in Ordnung ist.
Meine bevorzugten Saiten sind Roundwounds .013

DANKSAGUNG

Es ist mir ein großes Anliegen, mich bei den Personen ausdrücklich zu bedanken, die mich bei meinen Recherchen über die Maßen unterstützt haben. Ohne deren wertvolles INFO-und DOKU-Material wäre ein derart detaillierter Bericht über das Leben und Wirken von Wenzel Rossmeisl nicht möglich gewesen.

Thomas Buhé

Ihm verdanke ich durch seine tiefe Verbundenheit mit den Rossmeisls und seinem reichen Erfahrungsschatz über das Thema Jazzgitarre, eine Unmenge an fachlichen, geschichtlichen und intimen Informationen,  darunter die gesamte Briefkorrespondenz mit Marianne Rossmeisl. Seine akribisch dokumentierten Erlebnisse, die er auch zum Teil in seinem Buch MEIN KALEIDOSKOP dem Leser zugänglich macht, waren für mich eine wahre Fundgrube.

Klaus Andrees

Das ist der ehemalige Student der Architektur, dessen Hand im ROGER-Katalog verewigt ist.  Er stellte mir bereitwilligst seine umfangreichen Informationen und Dokumente über seine Zeit bei ROGER zur Verfügung.

Adolf Feil

arbeitete von 1956 bis 1961 als Gitarrenbauer bei ROGER. Von 1966 bis 1969 leitete er das Münchner Ladengeschäft.  Sein profundes Wissen über den gesamten Fertigungsablauf, Art, Zeitpunkt und Umfang von Änderungen, wie auch seine Kenntnisse von betrieblichen und organisatorischen Gepflogenheiten, waren für meinen Artikel von unschätzbarem Wert.

Helmut Buchsteiner        

arbeitete von 1959 bis 1961 als gelernter Gitarrenbauer bei ROGER, zusammen mit Adolf Feil. 1968 übernahm er als Meister die Pacht für die Firma ROGER bis Ende des Jahres 1969. Von ihm stammen sehr viele Informationen über die Zeit in Neumarkt St.Veit. Detaillierte Angaben zu seiner Person und seinen Instrumenten gibt es unter der Rubrik Hersteller.

Dieter Hense und Wolfgang Übel

Sie waren ehemals Mitarbeiter in der Werkstatt von Wenzel Rossmeisl in Markneukirchen und haben mit ihren detaillierten Informationen über ihre ehemalige Arbeitsstätte Licht ins Dunkel gebracht.

Hans Joachim Naydowski

Ist ein Cousin von Roger Raimond Rossmeisl. Von ihm habe ich vieles über die Lebensweise und das private Umfeld der Rossmeisls erfahren.

Erwin Rossmeisl

Ist ein entfernter Verwandter von Wenzel Rossmeisl aus der holländischen Linie der Rossmeisls.  Ein Hobby von Erwin Rossmeisl ist die Ahnenforschung. Diesem glücklichen Umstand habe ich die ausführlichen Informationen über die Geschwister von Wenzel Rossmeisl zu verdanken. 

Dr. Elmar Kesenheimer

Das ist ein Jazzfan, der sich neben der Musik sehr für Instrumente, deren Herkunft, Bauweise und Klang interessiert. Einige seiner Anregungen, Recherchen und Infos sind in diesen Bericht eingeflossen. Als ich ihn fragte, ob er vielleicht Interesse hätte, den ROGER-BERICHT insEnglische zu übersetzen, hat er spontan zugesagt. Viele Gitarrenfreaks weltweit werden sich darüber  sehr freuen.

Peter Strasser, Dr. Martin Kemmler,  Kield Andersson

Gitarren Enthusiasten, denen neben den Instrumenten auch die Historie der deutschen Schlaggitarrensehr am Herzen liegt. Ihre Anregungen, Recherchen und Infos waren für mich sehr wertvoll.

Stefan Lob

Mein ganz besonderer Dank gilt Stefan Lob, der die Datenbanken des Museums Markneukirchen nach verwertbaren Informationen durchforscht hat und darüber hinaus durch die Beschaffung von Kontaktadressen, Infos, Bildmaterial und Seriennummern einen großen Beitrag geleistet hat. Er hat keine Mühe gescheut diesen umfangreichen Artikel, inklusive Update, ins Netz zu stellen.

Claudia und Günther Dress

Der Kontakt mit beiden, initiiert durch den ROGER-Artikel, war für mich ein einzigartiger Glücksfall. Claudia und Günther haben viele Jahre in München, in der Hohenzollernstraße 58, Tür an Tür mit den Rossmeisls gewohnt. Mit den Jahren entwickelte sich ein enges, familiäres Verhältnis zu Wenzel und Marianne, die das junge Paar mit ihren Kindern ins Herz geschlossen hatten. Nach dem Tode von Marianne Rossmeisl gingen deren gesamte persönliche Erinnerungsstücke in den Besitz von Claudia und Günther Dress über, die mir bereitwillig dieses umfangreiche Material für die ROGER-Biographie anboten. Annähernd 400 Bilder und Dokumente, von denen der größte Teil nun in der Bildergalerie zu sehen ist, geben nun tiefe Einblicke in das bewegte Leben von Wenzel Rossmeisl.

Liebe Claudia, vielen, vielen Dank für die Erstellung der unzähligen Bilder- und Dokumenten- Scanns, ebenso wie für die wertvollen Hintergrundinformationen.

Kaspar Glarner und Luc Quelin

Den Recherchen dieser beiden ist es zu verdanken, dass das Mysteriums bezüglich der Ausbildung von Roger Rossmeisl aufgeklärt werden konnte.

Mein Dank gilt auch allen Freunden und Bekannten, Sammlern und Gitarren-Verrückten, die durch Anregungen, Infos und Daten einen Beitrag zu diesem Artikel geleistet haben.

Copyright:

Die Bilder im Artikel  dürfen nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Autors veröffentlicht werden.

Herbert Rittinger,  im Februar 2022

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KAP08  SERIENNUMMERN – STÜCKZAHLEN

SERIENNUMMERNTABELLE

Die Erfassung von ROGER GUITARREN, welche ein Label mit Seriennummer tragen, ist ein wichtiges, unverzichtbares Hilfsmittel bei der Beantwortung von Fragen zu folgenden Themen:

  • Stückzahlbestimmung
    • Bestimmung von Herstellungsdatum und Herstellungsort der Gitarren
    • Art und Grund der Änderungen sowie deren zeitliche Zuordnung
    • Historische, firmeninterne Ereignisse und Veränderungen

Die nachfolgende EXCEL-Tabelle enthält die wichtigsten Merkmale die für die Identifikation der Gitarren relevant sind.  In der Spalte  Herst. Datum  gibt es vereinzelt fettgedruckte Datumsangaben. Diese stammen von Instrumenten, von denen entweder das exakte Verkaufsdatum bekannt ist, oder die konstruktiven Merkmale aufweisen, anhand derer sie einem sehr begrenzten Zeitraum zugeordnet werden können. Durch Interpolation dieser sogenannten Eckdaten wird nun für alle dazwischen liegenden  Seriennummern das Herstelldatum errechnet. Das Ergebnis liefert eine Produktabsatzkurve über den gesamten Fertigungszeitraum.  Hat man erst einmal die Herstellzeit den Seriennummern zugeordnet, kann man auch den ungefähren Zeitpunkt für die verschiedenen Produktänderungen ermitteln.  Die entsprechenden Formeln sind in der Tabelle hinterlegt.  Je mehr verlässliche Eckdaten diese Kurve besitzt, desto genauer wird das Ergebnis.

Deshalb eine große Bitte an alle ROGER-Besitzer:

Wenn Ihr ein Instrument mit Label und indentifizierbarer Seriennummer habt,  schreibt bitte alle Daten der Reihenfolge nach so auf,  wie sie in der Tabelle dargestellt sind. Ganz toll wäre es, wenn Ihr noch zusätzliche zeitliche Angaben über den Erstkauf machen könntet. Schickt mir einfach eine Mail mit Bildern von der Gitarre, auf denen man die einzelnen Merkmale auch optisch erkennen kann und ich verspreche Euch, dass ich die Tabelle von Zeit zu Zeit updaten werde.
Vergesst bitte nicht mir mitzuteilen was in der Quellenangabe stehen soll.    DANKE !!!

AUSWERTUNG  SERIENNUMMERNTABELLE

Wie bei Sammelobjekten üblich, ist die Frage nach der gefertigten Stückzahl immer von großem Interesse.  Die Beantwortung derselben ist in der Regel meistens sehr schwierig und zeitaufwendig. Im vorliegenden Fall war es von großem Vorteil, dass ROGER,  im Gegensatz zu Artur LANG,  seine Erzeugnisse mit einer Seriennummer ausgestattet hat. Viel Zeit und Recherchearbeit hat die Erstellung und Auswertung der Nummerntabelle in Anspruch genommen.Die erste Aufgabe war,  die Bedeutung und Systematik der Seriennummern herauszufinden. Aus allen Recherchen und Fakten geht zweifelsfrei hervor, dass die Nummern fortlaufend sind und bei 1 beginnen.  Allerdings gibt es einen zeitbedingten Nummernsprung mit dem Beginn der Ära Mittenwald. Im Seriennummernbereich von 400 bis 3200 sollte die maximale Abweichung vom errechneten zum tatsächlichen Herstellungsdatum weniger als 1/2 Jahr betragen. Außerhalb dieses Bereichs kann die Abweichung größer sein.

STÜCKZAHLBESTIMMUNG

ROGER-GUITARREN MIT SERIENNUMMER:  ca.  3100

Bei der vorgenannten Stückzahlangabe wurden ausschließlich Gitarren mit Label und Seriennummer berücksichtigt. In meinem umfangreichen Bildarchiv befinden sich sehr viele Rogers mit Label, aber ohne Seriennummer. Zusätzlich existieren auch Gitarren ohne Label, von denen vermutlich der Großteil aus Original-Roger-Teilen nachträglich komplettiert wurde. Der Anteil dieser nicht gemarkten Instrumente liegt bei ca. 30 Prozent. Der Verdacht liegt nahe, dass Wenzel Rossmeisl einen guten Teil seiner Produktion aus steuerlichen Gründen nicht markte um den Unternehmensgewinn zusätzlich zu steigern.

Die Gesamtstückzahl aller ROGER-GUITARREN dürfte bei über 4000 liegen

ZUSÄTZLICHE INFORMATIONEN ZU DEN STÜCKZAHLEN EINZELNER MODELLE:

Das Modell LUXUS SPECIAL mit Doppelcutaway wurde ab der Mittenwalder Zeit nur dreimal, in geringer Stückzahl, aufgelegt.

  • Insgesamt 10 Stück im Jahre 1957 in Mittenwald
  • Eine Stückzahl in der ähnlichen Größenordnung, Anfang der 60er Jahre in Neumarkt St. Veit
  • 2 Stück,  gebaut von Helmut Buchsteiner 1968 in Neumarkt St. Veit

In sehr geringer Stückzahl wurden auch die Modelle ELEKTRIK und ELECTRIK BASS aufgelegt, weil nach Aussagen der bei ROGER beschäftigten Gitarrenbauer, für diese Modelle  eine geringe Nachfrage bestand.

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KAP06  DRUCKSACHEN

KATALOGE

Als ich versuchte, das mir zur Verfügung stehende Katalogmaterial in eine zeitliche Reihenfolge zu bringen, erlebte ich ein mittleres Waterloo. Weder ein Ausgabedatum noch sonstige Anhaltspunkte für eine zeitliche Zuordnung ließen sich finden. So begann ich über Veränderungen an den Modellen, deren Zeitpunkt ich kannte, das Entstehungsdatum einzukreisen.  Die Verwirrung wurde immer größer.  Eine Lösung zeichnete sich erst ab, als ich auf die Idee kam, das Thema mit Blickwinkel auf minimalsten Änderungsaufwand bei den Katalogen zu erforschen. 

Ein wichtiges Ereignis ist der 17. August 1952, wo die Berliner Tageszeitung TELEGRAF, anlässlich der Übergabe der ROGER Gitarre Nr. 777 an Johannes Rediske, einen Artikel veröffentlichte. (siehe Berliner Zeit 1947-53)  Im Vorfeld dieser Reportage wurde in der Werkstatt in der Lützowstraße eine Fotodokumentation erstellt.  Die Bilder zeigen einzelne Arbeitsschritte von der Entstehung der Gitarren,  bis hin zum Gruppenbild der Mitarbeiter im Ausstellungs- und Verkaufsraum.  Ein Foto zeigt die Ausarbeitung der Hohlkehle mittels Daumenhobel.  Die Hand die den Daumenhobel hält, gehört dem damals jungen Architekturstudenten Klaus Andrees, der zu dieser Zeit bei der Firma ROGER arbeitete.  Diese Fotos wurden später in die Kataloge von Mittenwald/Neumarkt-St. Veit aufgenommen.

Der schematische Aufbau gliedert sich in 3 Kapitel:

  • Zuerst gibt es einen Einführungsteil mit vollmundiger Werbung für das Produkt
  • Im zweiten Teil werden einzelne Fertigungsschritte mit dem Konterfei des Meisters gezeigt.
  • Der dritte Teil beinhaltet Bildmaterial der jeweiligen Produkte und deren Spezifikation.

Im Falle von  Änderungen in der Produktpalette wurde sehr oft nur die Produktbeschreibung angepasst. Die Bilder blieben meist unverändert. Aus Gründen der Sparsamkeit wurden jedoch die Lagerbestände des veralteten Prospektmaterials aufgebraucht.

Fazit: 		
Die Beschreibung und Darstellung der einzelnen Modelle im Katalog entsprechen nicht immer dem zu dieser Zeit aktuellen Konstruktionsstand. Die Katalogunterlagen sind deshalb nicht verlässlich wenn es darum geht, Veränderungen an den Modellen zeitlich zuzuordnen.

Katalogbilder als PDF zum download

Katalogbilder

Katalog 01 / Berlin 1930 – 48

Katalog 02 / Berlin 1948 – 53 

Katalog  03 / Berlin-Markneukirchen 1951


Katalog 04 / Mittenwald 1955

Katalog 05 / Mittenwald 1957       

Katalog 06 / Neumarkt St. Veit 1960

Katalog 07 / VOSS 1962    

Katalog 08 / Neumarkt St. Veit 1963

Katalog 09 / Neumarkt  St. Veit 1964

Katalog 10 / Neumarkt St. Veit 1964        

Katalog 11 / Verstärker – Tonabnehmer

PREISLISTEN

PATENTE

Moser


PATENTE

Steuer

Patente

Wenzel Rossmeisl

Patente

Roger Rossmeisl USA

Preislisten und Patente als PDF zum download

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KAPITEL 5  ROGER MODELLE UND IHRE SPEZIFIKATIONEN

KORPUS

Cutaways

Der tiefe Ausschnitt am Korpus wurde sofort nach dem Krieg für das 16,5 Inch-Modell entwickelt. Das venezianische Cutaway bei den 17 Inch-Modellen wird jedoch erst 1949 nach Einführung des German-Carve eingeführt. Alle gewölbten Modelle, mit Ausnahme der Modelle mit tiefem Ausschnitt, sind symmetrisch.  Ab 1955 gibt es, bis auf ein paar Ausnahmen, nur Gitarren mit Cutaway,  obwohl in den Katalogen die Modelle auch ohne Cutaway angeboten wurden.

Decken

Decken-Hölzer

Es wurde überwiegend Fichte verarbeitet, selten auch Mahagoni und Palisander. Bei der ULTRA- Ausführung wurde die Kombination  Fichte/ Birne/ Fichte bevorzugt. In den 60er Jahren kam auch Laminat zum Einsatz  

Decken-Form:     

gewölbt von Beginn bis kurz nach dem Krieg.  Ab 1948 German-Carve.  Anfang der 60er zusätzlich gewölbt-gepresst.

Schalllöcher:

Im Vergleich zu anderen Herstellern begnügte sich Wenzel Rossmeisl mit nur 2 verschiedenen Schalllochformen:

F-Löcher

Über den gesamten Fertigungszeitraum existieren drei unterschiedliche Formen:

Die erste Ausführung, von Fertigungsbeginn bis zu Anfang des Krieges, ist ein sehr elegantes schmales F. Die ellipsenförmigen Öffnungen am Anfang und am Ende sind, entsprechend dem Verhältnis von großem und kleinem Bug, unterschiedlich groß.

Mit Produktionsbeginn nach dem Krieg erfolgte die erste Änderung. Länge und Breite der Schalllöcher wurden vergrößert. Nach wie vor waren die ellipsenförmigen Öffnungen ungleich groß, aber der Größenunterschied zwischen beiden war fortan kleiner. Die Maße der Schalllöcher weisen eine relativ große Toleranzbreite auf, die durch die Art der Herstellung bedingt ist. Mittels Schablone und Stift wurden die Umrisse auf die Decke übertragen. Das Ausarbeiten der Löcher war reine Handarbeit.

Die nächste Veränderung erfolgte mit der Einführung des German-Carve. Die beiden Ellipsenlöcher haben nun die gleiche Größe. Zusätzlich ist eine minimale Vergrößerung der F-Loch-Breite B3/B4 feststellbar. Die Länge des Schalllochs bleibt indes unverändert.

Ein letztes Mal änderte sich die F-Loch Form mit Beginn der Produktion in Mittenwald. Die Breite wird signifikant vergrößert um die Montage der elektrischen Komponenten und deren Verkabelung im Korpus zu erleichtern. Es fällt auf, dass die Maßtoleranzen der Schalllöcher nun in einem sehr engen Bereich liegen. Im Unterschied zu früher werden die Schalllöcher nun mit Hilfe einer Schablone ausgefräst. Der Vorteil der einfacheren Montage von elektrischen Komponenten hatte aber leider einen spürbaren Verlust an Eleganz zur Folge.

F-Löcher Maßzeichnung-Tabelle   

Größenvergleich F-Löcher

Größenvergleich F-Löcher                   Quelle: HR

Schalllöcher in Tropfenform

Zeitgleich mit den Änderungen bei den F-Löchern wurde auch die Kontur der tropfenförmigen Löcher geändert.

Stromlinie Nr. 301, Zeitraum: 1930 – 40       Quelle: Lacquercracks
Super Nr. 399 gewölbt, Zeitraum: 1945 – 48 Quelle: Feiner
Super, German-Carve Berlin, Zeitraum: ab 1949 – 53          Quelle: HR 205
Super Nr. 2947 Mittenw/St. Veit, Zeitraum: ab 1955           Quelle: Tats Ohisa

Böden

Böden-Hölzer:   

Meistverwendetes Holz ist Ahorn, aber auch Mahagoni, Palisander, Buche, Eiche und Laminat sind zu finden.  Buche und Eiche wurden nur kurz nach dem Krieg für plane Böden verwendet. Bei der ULTRA-Ausführung ist die Kombination Ahorn/ Birne /Ahorn häufig anzutreffen.

Böden-Form: gewölbt von Beginn bis kurz nach dem Krieg.  Ab 1948 German-Carve.  Flache Böden  kurzzeitig nach dem Krieg, wegen Holzmangel.  Anfang der 60er zusätzlich gewölbt-gepresst.

Label

Bilddokumentation der von ROGER benutzten Label über den gesamten Zeitraum

Von links nach rechts:

  • Berlin-Fraktur, Zeitraum: ca. 1930 – 53 Quelle: HR
  • Mittenwald-sans-serif, Zeitraum: 1955 – ca. 60       Quelle: HR
  • Mittenwald-serife, Zeitraum: ca. 1960 – 65  Quelle: Tats Ohisa
  • Mittenwald-serife+Stempel, Zeitraum: ab ca. 1964 Quelle: Ol’ Fret
  • Neumarkt St. Veit, Zeitraum: ab ca. 1965    Quelle: Harto S.H.
  • Neum/München, Konzertgitarren, Zeitraum: ca. 1967/68    Quelle: MK

Zargen

Hölzer:    Der Standard ist massives Ahorn.  Mahagoni und andere Hölzer, sowie Laminat, sind die Ausnahme.

HÄLSE

Hölzer: Die am häufigsten verwendeten Materialien sind Ahorn und Birne, aber auch Mahagoni, Palisander, Eiche und Buche sind anzutreffen. Die Aweichungen von der Norm sind vor allem bei den Gitarren aus der ROGER-Ära 1951-53 feststellbar

Halsformen – Profile

Es gibt 4 verschiedene Halskonstruktionen

a) Ausführung mit separatem, ungesperrten und konischen Halsfuß. Alle Modelle mit gewölbter Decke haben dieses Feature.

konischer Halsfuß      Quelle: Lacquercracks

b) Ausführung mit parallelem Halsfuß. Hals + Fuß sind gesperrt und aus einem Stück. Es wurden parallele Holzplatten mit unterschiedlicher Stärke verleimt. Die beiden äußeren Lagen sind relativ dick, damit für die nachfolgende Herstellung der konischen Halsbreite genügend Material zur Verfügung steht. Die Blockherstellung ist sehr einfach, aber für die konische Halsbreite sind zwei zusätzliche Arbeitsgänge erforderlich. Hals-und Halsfußprofil wurden, mit demselben Formwerkzeug, in einem Arbeitsgang hergestellt. Nach diesem Verfahren sind alle Modelle, ab Einführung des German-Carve, bis etwa 1950, hergestellt worden.

parallele Holzlagen     Quelle: HR
Halsfußprofil gerundet           Quelle: HR

c) Ära Roger 1951-53 – wie Ausführung 2, jedoch 3-lagig, mit breiter paralleler Mittellage, ohne angeleimte Restholzstücke am Halsfußende.  Die Rohlinge stammen nicht, wie alle anderen nach dem Krieg, aus der eigenen Produktion.

JUNIOR 826 parallele Mittellage                              Quelle: Josh Wilson
JUNIOR 826 ohne Restholzstück                            Quelle: Josh Wilson

d) Ausführung mit parallelem Halsfuß. Hals + Fuß sind gesperrt und aus einem Stück. Die mittlere Holzlage ist, entsprechend der gewünschten Breitenkonizität, in der Dicke keilförmig abgerichtet. Aus fertigungstechnischen Gründen ist die Dicke derselben, vor dem Abrichten, mindestens 1,5 cm. Es entsteht ein Block mit der fertigen Halsbreitenkontur. Diese Konstruktion wurde ab 1955 angewendet.

konische Mittellage Quelle: HR

Annähernd kreisrundes Profil von Hals und Halsfuß

Fertigung von Halsrohlingen der Ausführung 4

Die Rohlinge wurden mittels einer Bandsäge aus den konischen, schichtverleimten Blöcken geschnitten. Nach dem Anleimen der Seitenhölzer für das Paddel am schmalen Halsende folgte die Ausformung der Kopfplatte. Mit einem Formfräser wurde das Hals-und Halsfußprofil in einem Arbeitsgang hergestellt. . Sodann wurden Schichthölzer (Ahorn, Mahagoni, Birne etc.) auf das Fußende aufgeleimt, bis die erforderliche Höhe erreicht war.  Nach dem Angleichen derselben an die vorhandene Kontur musste nur noch das Griffbrett aufgeleimt und die Bohrungen für die Mechaniken in die Kopfplatte eingebracht werden.  Bei den Hälsen aus Neumarkt-St.Veit- Produktion kamen noch die Bearbeitungsschritte für die Halsverstärkung hinzu.

Quelle: Snap

Im Normalfall ist die Halsdicke nicht konstant. Die Verdickung vom 1. bis zum 11. Bund beträgt in der Regel 2 bis max. 3 mm. Durch die kontinuierliche Verdickung und Verbreiterung soll eine möglichst gleichmäßige Biegung des Halses durch den Saitenzug erreicht werden.

Die genaue Vermessung von 16 Gitarren über den gesamten Nachkriegszeitraum ergab folgendes Bild:

  • Halsdicke am   1. Bund:   21 bis 25 mm
  • Halsdicke am 11. Bund:   23 bis 26 mm
  • Verdickung vom 1. bis 11. Bund:   0 bis 2,5 mm;  die Mehrheit liegt zwischen  1 bis 2mm
  • bei einer NON-CUT aus dem Jahr 48-50 verdünnt sich der Hals um 1,5 mm. (von 25 auf 23,5)
  • Halsbreite am Sattel:   41 bis 45,5 mm;  die Mehrheit liegt zwischen 42 und 44 mm
  • Halsbreite am Ende:    51,5 bis 55,5 mm; die Mehrheit liegt zwischen 52,5 und 55 mm

Die Maßunterschiede bei der Verdickung sind fertigungsbedingt.Sie resultieren aus ungenauem Einrichten + Positionieren von Werkstück und Maschine.

Halsverstärkungen und einstellbare Gewindestangen gibt es bei den Roger-Guitarren erst ab ca.1959.  Die Halsschienen sind aus Aluminium und haben entweder ein doppel T- Profil oder ein  quadratisches Vollprofil 10mm x 10mm.

Halsverstärkung 

Quelle:  Ol’ Fret

Griffbretter und Einlagen

Die Griffbretter aller Modelle mit gewölbter Decke sind vorzugsweise aus Ebenholz und die Einlagen bestehen großteils aus Perlmutt. 

Mit der Einführung des  17 Inch-Modells mit Cutaway kam fast ausschließlich Palisander zum Einsatz, wobei die Einlagen nunmehr aus Plastik sind.  Bei den exklusiveren Modellen gab es auch vereinzelt Griffbretter aus Wenge. Hin und wieder findet man auch Ahorn.

Mit dem Beginn der 60er Jahre wurde wieder vorzugsweise Ebenholz und Perlmutt verwendet.

Die Vielfalt der Einlagen über den gesamten Zeitraum ist so groß, dass die Zuordnung derselben zu den verschiedenen Modellen und Fertigungszeiträumen nur mittels Tabellen übersichtlich dargestellt werden kann.

GRIFFBRETTEINLAGEN –  Modelle mit gewölbtem Korpus

GRIFFBRETTEINLAGEN –  Modelle mit German-Carve

Instrumente, mit senkrecht zur Längsachse des Halses geteilten Blockeinlagen, wurden hauptsächlich von Roger Raimond, in den Jahren 1951 – 53 produziert.   

Lackierung

Die Hälse der Modelle mit gewölbter Decke waren in den Farben natur und braun- schattiert lackiert.

Mit der Einführung des German Carve sind alle Hälse einheitlich naturfarben.  Der Grund hierfür ist unter anderem das neue Design der Kopfplatte.  Die beste optische Wirkung der einzelnen Schichthölzer ist nur mit einer transparenten Beschichtung zu erzielen.

Kopfplatten  –  Form und Ausführung

Um die mannigfaltigen Gestaltungsvarianten der Kopfplatten den verschiedenen Modellen und Produktionszeiträumen zuordnen zu können,  wurde ein passendes Schema entwickelt.

Es gibt zwei Unterscheidungsmerkmale:

  • Die Form der Kopfplatte.  Sie wird durch einen Buchstaben gekennzeichnet.
  • Das verschiedenartige Design, welches einer Zahl zugeordnet wird.
Bitte beachten:
  
•	Kopfplatten ohne Randzierstreifen gehören zum Modell JUNIOR.
•	Alle anderen Modelle, außer SUPER, besitzen in der Regel einen Zierstreifen.
•	Das Top- Modell SUPER ist meist mit mehrstreifigen Rändern ausgestattet.

Im folgenden nun die Bilder mit Spezifikation für die einzelnen Typen:

  • Bild Nr. 114       
  • Typ A1
  • symmetrisch, separate Kopfplattenauflage        
  • Einlagen + Logo aus Perlmutt    
  • Zeitraum  ca. 1930 – 1939
  • Quelle:  Strasser            
  • Bild Nr. 115       
  • Typ A2
  • symmetrisch, separate Kopfplattenauflage
  • Einlagen + Logo aus Perlmutt
  • Zeitraum  ca. 1930 – 1939
  • Quelle:  MK
  • Bild Nr. 116       
  • Typ A3
  • symmetrisch, separate Kopfplattenauflage        
  • 4 Auflagen s/w aus Perloid+Logo aus Perlmutt 
  • Zeitraum:  bis 1939        
  • Quelle:  MK       
  • Bild 117                              
  • Typ A4 
  • symmetrisch, separate Kopfplattenauflage        
  • 2 keilförmige Auflagen aus Perloid         
  • Zeitraum  bis 1939          
  • Quelle:  lacquercrack                    
  • Bild Nr. 118       
  • Typ A5 
  • symmetrisch     
  • helle,  trapezf. Einlage + schwarzes Logo
  • Einlage und Logo aus Plastik      
  • Zeitraum:  ca. 1948        
  • Quelle:  HR        
  • Bild Nr. 119                       
  • Typ C1
  • symmetrisch
  • helle, trapezf.  Einlage + schwarzes Logo
  • Einlage und Logo aus Plastik
  • Zeitraum:  ca. 1948 – 49
  • Quelle: HR
  • Bild Nr. 120       
  • Typ C2 
  • symmetrisch     
  • schwarze,  trapezf.  Einlage + weißes Logo
  • Einlage und Logo aus Plastik      
  • Zeitraum: ca. 1946 – 58
  • Quelle:  HR        
  • Bild Nr. 121       
  • Typ C3
  • symmetrisch 
  • keine Einlage
  • Logo als Abziehbild in schwarz
  • Zeitraum: ca. 1956 – 62
  • Quelle:  HR
  • Bild Nr. 122
  • Typ D1 
  • symmetrisch
  • keine Einlage
  • Logo als Abziehbild in Gold
  • Zeitraum: ab ca. 1962
  • Quelle:  HR        

  • Bild Nr. 123       
  • Typ D2
  • symmetrisch 
  • keine Einlage
  • Logo als Abziehbild in schwarz
  • Zeitraum:   ca. 1959-63
  • Quelle:  HR        

  • Bild Nr. 124       
  • Typ D3 
  • symmetrisch     
  • keine Einlage    
  • Plastikspritzteil als Logo in weiss/gold
  • Zeitraum:  ab ca. 1964  
  • Quelle:  HR        
  • Bild Nr. 125       
  • Typ D4
  • symmetrisch 
  • keine Einlage
  • Plastikspritzteil als Logo in schwarz/gold
  • Zeitraum:  ab ca. 1964
  • Quelle:  MK       

  • Bild Nr. 126
  • Typ E1      
  • unsymmetrisch, separate Kopfplattenauflage 
  • Inlays + Logo aus Perlmutt 
  • Zeitraum:  Vorkriegszeit     
  • Quelle:  Arjen Ehlers          
  • Bild Nr. 127      
  • Typ E2
  • unsymmetrisch, separate Kopfplattenauflage 
  • Inlay aus Perlmutt,  Logo ist graviert
  • Zeitraum: Vorkriegszeit
  • Quelle:  Feiner 
  • Bild Nr. 128
  • Typ E3      
  • unsymmetrisch, separate Kopfplattenauflage
  • helle, trapezf.  Einlage + schwarzes Logo
  • Verzierungen und Logo aus Plastik
  • Zeitraum:  ca. 1946 – 47     
  • Quelle:  Feiner       
  • Bild Nr. 129           
  • Typ E4
  • unsymmetrisch 
  • Höfner-Kopfplatte mit Roger-Logo weiß
  • Einfachbinding,  Inlays + Logo aus Perlmutt
  • Zeitraum:  ca. 1962
  • Quelle:  Ol‘Fret      
  • Bild Nr. 130
  • Typ E5      
  • unsymmetrisch      
  • helle, trapezf.  Einlage + schwarzes Logo
  • Einlage und Logo aus Plastik         
  • Zeitraum:  ca. 1946 -53
  •  Quelle:  HR    

   

  • Bild Nr.131
  • Typ E6
  • unsymmetrisch 
  • schwarze, trapezf.  Einlage + weisses Logo
  • Einlage und Logo aus Plastik
  • Zeitraum:  ca. 1948 – 52
  • Quelle:  HR
  • Bild Nr. 132
  • Typ E7      
  • unsymmetrisch      
  • keine Einlage         
  • Logo als Abziehbild in schwarz
  • Zeitraum:  ab 1958
  • Quelle:  HR

  • Bild Nr. 133
  • Typ E8
  • unsymmetrisch 
  • keine Einlage
  • Logo als Abziehbild in gold
  • Zeitraum:  ab ca. 1962
  • Quelle:  unbekannt 
  • Bild Nr. 134
  • Typ E9      
  • unsymmetrisch      
  • keine Einlage         
  • Plastikspritzteil als Logo in weiss/gold
  • Zeitraum:  ab ca. 1964       
  • Quelle:  MK           
  • Bild Nr. 135            
  • Typ E10     
  • unsymmetrisch        
  • keine Einlage         
  • Plastikspritzteil als Logo in schwarz/gold    
  • Zeitraum:  ab ca. 1964       
  • Quelle:  HR            

HARDWARE

Von Beginn an bis zur Schließung der Werke in Berlin und Markneukirchen wurde die gesamte Hardware, außer den Tonabnehmern, von Lieferanten aus dem Vogtland und aus dem Egerland bezogen.  Dies änderte sich als Wenzel Rossmeisl seinen Betrieb in Mittenwald eröffnete.  Ab diesem Zeitpunkt bezog er sein Zubehör ausschließlich aus der BRD.  Der Grund hierfür war, dass WR, seit seiner Abschiebung, nicht mehr in die DDR einreisen durfte.

Mechaniken

Von Anbeginn verwendete Wenzel Rossmeisl vorzugsweise einzelne, offene Mechaniken, in die er nach dem Krieg sein LOGO eingravieren ließ. Bandmechaniken tauchen nur nach dem Krieg  in der Ära Berlin auf. Gegen Ende der Mittenwald Ära benutzte er, vor allem für die höherwertigen Modelle, gekapselte  Einzelmechaniken von der Firma Kolb oder Van Gent.   

  • Bild Nr. 136  
  • Ausführung 1
  • für Modelle vor dem Krieg
  • Herkunft:  Vogtland
  • Zeitraum:  bis 1939
  • Quelle:  bekannt
  • Bild Nr. 137
  • Ausführung 2
  • für Modelle:  alle, vorwiegend JUNIOR         
  • Herkunft: Vogtland / BRD   
  • Zeitraum:  ab 1946      
  •  Quelle:  HR 211         
  • Bild Nr. 138               
  • Ausführung 3           
  • für Modelle:  alle, außer SUPER
  • Hersteller: Kolb
  • Zeitraum:  ab Ära Mittenwald
  • Quelle:  1735 Buhé
  • Bild Nr. 139               
  • Ausführung 4
  • für Modelle: alle
  • Hersteller: Kolb
  • Zeitraum:  ab 1951, bevorzugt Ära-ROGER
  • Quelle:  2077 HR     
  • Bild Nr. 140               
  • Ausführung 5           
  • für Modelle:  alle, außer JUNIOR
  • Hersteller: Van Gent             
  • Zeitraum:  ab 1961 
  • Quelle:  3449 HR     
  • Bild Nr. 141               
  • Ausführung 6
  • für Modelle: STANDARD / SUPER
  • Hersteller:  Kolb
  • Zeitraum:  ab 1958
  • Quelle:  MK

Saitenhalter

  • Bild Nr.  N1               
  • Typ 1: Trapezblech mit Aussparungen + Logo
  • für Modell:  STANDARD Nr. 50          
  • Herkunft: Vogtland
  • Zeitraum: 1930er    
  • Quelle: MK
  • Bild Nr.  N2 und N2-1           
  • Typ 2: kurze Harfe mit Streben + Logo, Gussmodell
  • für Modelle:  SUPER              
  • Herkunft: Vogtland  
  • Zeitraum: 1930er    
  • Quelle:  Veenendaal
weiteres Beispiel Bild
  • Bild Nr. 142               
  • Typ 3: Gretsch-Stil
  • für Modell:  Stromlinie Nr. 301
  • Herkunft: Vogtland
  • Zeitraum: bis 1939
  • Quelle:  Lacquercracks
  • Bild Nr. 143 bis 143-2                           
  • Typ 4: Trapez einfach, ohne und mit Streben
  • für Modelle:  verschiedene
  • Herkunft:  ABM Müller           
  • Zeitraum:  1946-52
  • Quelle:  HR
  • Bild Nr. 144
  • Typ 5: Trapez mit Streben + Logo
  • für Modelle:  verschiedene
  • Herkunft: Vogtland                
  • Zeitraum:  1946 bis 1952     
  • Quelle:  HR200         
  • Bild Nr. 145 bis 145-7           
  • Typ 6: Trapezblech mit Aussparungen + Logo
  • für Modelle:  alle
  • Herkunft: Vogtland                  
  • Zeitraum:  1946 bis 1953
  • Quelle:  HR

  • Bild Nr. 146 bis 146-2           
  • Typ 7: Harfe mit Streben + Logo, Gussmodell            
  • für Modelle:  LUXUS – SUPER             
  • Herkunft: Vogtland                
  • Zeitraum  1946 bis 1952      
  • Quelle:  HR
  • Bild Nr. 147   
  • Typ 8: Trapezblech ohne Streben    
  • für Modelle: bevorzugt SUPER
  • Herkunft: Roger Berlin  
  • Zeitraum  1951 – 1953
  • Quelle:  HR
  • Bild Nr. 148
  • Typ 9: Trapez mit 2 Quer-und 3 Längs-Streben         
  • für Modelle:  JUNIOR           
  • Lieferant: ABM Müller, Westgermany          
  • Zeitraum:  ab 1955                
  • Quelle:  HR
  • Bild Nr. 149
  • Typ 10: R-Design
  • für Modelle: ab STANDARD
  • Lieferant: ABM Müller, Westgermany
  • Zeitraum  ab ca. 56
  • Quelle:  HR
  • Bild N3 bis N3-3
  • Typ 9: Trapez mit 2 Quer-und 3 Längs-Streben      
  • für Modelle:  JUNIOR
  • Lieferant: ABM Müller, Germany West       
  • Zeitraum: ab 1957   
  • Quelle: HR   

                                                

Stege

Über den gesamten Zeitraum sind 6 Ausführungen bekannt:

Ausf. 1:

  • Unterteil S-förmig mit einem verlängerten Ende.
  • Diese Ausführung findet man nur bei den Vorkriegsmodellen mit gewölbter Decke.
  • Bild Nr. 150               
  • Ausführung 1
  • Zeitraum:  1930 bis 1939
  • Quelle:  Arjen Ehlers

Ausf. 2:

  • Unterteil S-förmig, symmetrisch, aber spiegelbildlich zu Ausführung 1.
  • Durch die Änderung der Kontur wurde Platz geschaffen für die Montage von elektronischen Komponenten unter dem Schlagbrett.
  • Zeitraum:  1946-53
  • Bild Nr. 151
  • Ausführung 2
  • Ansicht von vorne
  • Quelle:  HR
  • Bild Nr. 152
  • Ausführung 2
  • Ansicht von oben
  • Quelle:  HR

Ausf. 3

  • Unterteil symmetrisch, gerade
  • Zeitraum:  nach dem Krieg bis zum Ende der Ära Berlin.
  • Bild Nr. 153
  • Ausführung 3
  • Quelle:  HR

Ausf. 4:

  • Unterteil symmetrisch, gerade
  • Die Entwicklung erfolgte zeitgleich mit der Einführung des German-Carve.
  • Unter- und Oberteil sind mittels Langloch und Bohrungen gewichtsreduziert. Diese Maßnahme hat einen positiven Einfluss auf die Klangübertragung.
  • Die gewichtsreduzierten Stege sind fast ausschließlich aus  Palisander. 
  • Dies hat 2 Gründe: Zum ersten passen sie optisch gut zu den Griffbrettern die ebenfalls überwiegend aus demselben Holz gefertigt sind. Zum zweiten wäre die Herstellung aus dem teueren, harten und spröden Ebenholz ungleich kostspieliger gewesen.
  • Von dieser Ausführung wurde nur eine geringe Stückzahl angefertigt und montiert.
  • Bild Nr. 154
  • Ausführung 4           
  • Ansicht von vorne  
  • Quelle:  HR
  • Bild Nr. 154a            
  • Ausführung 4
  • Ansicht von unten
  • Quelle:  HR        

Ausf. 5:

  • Unterteil unsymmetrisch, gerade, auf der Diskantseite mit dem Oberteil bündig
  • Unter- und Oberteil sind wie Ausführung 4 gewichtsreduziert.
  • Dieser Steg wurde auf alle Modelle montiert.
  • Zeitraum:  ab 1955
  • Bild Nr. 155               
  • Ausführung 5, gerade           
  • Quelle:  HR

Ausf. 6:

  • Gleich wie Ausführung 5, mit dem Unterschied, dass die bassseitige Verlängerung des Unterteils nicht gerade, sondern geschwungen ist.
  • Mit diesem Steg wurden vorzugsweise die Premium-Modelle ausgestattet.
  • Zeitraum:  ab 1955
  • Bild Nr. 156
  • Ausführung 6, Ende geschwungen 
  • Quelle:  Tats Ohisa 

Schlagbretter

Form 1:

  • Lange Ausführung mit einem spitzen Winkel an der Halsanbindung.
  • Sie wurde ausschließlich an Modelle ohne Cutaway montiert.
  • Zu finden ist dieses Design von 1930 bis zum Ende der Berliner Zeit.
  • Je nach Modell waren die Schlagbretter mit bis zu fünf Rändern verziert.
  • Bild Nr. 157
  • Schlagbrettform 1
  • für Gitarren ohne Cutaway
  • Quelle:  HR

Form 2:

  • Lange Ausführung mit spitzen Winkeln an der Halsanbindung und am Brett-Ende.
  • Sie wurde ausschließlich an Gitarren ohne Cutaway verwendet.
  • Diese Nachkriegsentwicklung wurde bis zum Ende der Berliner Zeit verwendet.
  • Je nach Modell waren die Schlagbretter mit bis zu fünf Rändern verziert.
  • Bild Nr. 158
  • Schlagbrettform 2
  • für Gitarren ohne Cutaway
  • Quelle:  HR

Form 3:

  • Kurze Ausführung mit spitzen Winkeln an der Halsanbindung und am Brett-Ende.
  • Sie wurde ausschließlich an Gitarren mit Cutaway verwendet.
  • Je nach Modell waren die Schlagbretter mit bis zu fünf Rändern verziert.
  • Bild Nr. 159               
  • Schlagbrettform 3  
  • für Gitarren mit Cutaway    
  • Modell JUNIOR aus ABS 3-lagig
  • Quelle:  HR
  • Bild Nr. 160        
  • Schlagbrettform 3  
  • für Gitarren mit Cutaway    
  • STD / LUX aus Zelluloid mit 3 Rändern
  • Quelle:  HR

  • Bild Nr. 161
  • Schlagbrettform 3  
  • für Gitarren mit Cutaway    
  • SUP / Zelluloid mit 5 Rändern
  • Quelle:  HR


Ausführliche Informationen zu diesem Thema gibt es im Artikel von Stefan Lob hier:  

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KAPITEL 4  ROGER MODELLE NACH 1949

JUNIOR

das einfachste und meistverkaufte Modell

  • F-Löcher
  • einfaches Binding an Decke, Boden und Schlagplatte
  • kein Binding an Hals und Kopfplatte
  • Griffbrett mit 5-7 Balkeneinlagen aus Perloid
  • R-Saitenhalter nicht standardmäßig
  • Farben:  rotbraun schattiert, naturell

1957 wurde eine kleine Serie von 6 Stk. JUNIOR NON CUT mit schwarzer Sonderlackierung produziert.

JUNIOR CA SEMI mit halber Zargenhöhe

Es ist nur das Modell Junior in der Semi-Ausführung bekannt. In meiner Galerie existiert nur ein einziges SEMI-Modell.

STANDARD

Das etwas bessere Modell

  • F-Löcher
  • Mehrfach- Binding (3) an Decke, Boden und Schlagplatte
  • Einfach- Binding an Hals und Kopfplatte
  • Griffbrett mit 8-9 Blockeinlagen aus Perloid / Perlmutt ab 1960
  • R- Saitenhalter ab 1956 standardmäßig
  • Farbe:  rotbraun schattiert
Standard-Ca Nr. 3449 Quelle: HR

LUXUS

Das exclusivere STANDARD Modell

  • Mehrfach- Binding (4-5) an Decke, Boden und Schlagplatte
  • Einfach- Binding an Hals und Kopfplatte / Mehrfachbinding ab 1960
  • Griffbrett mit 9 Blockeinlagen aus Perloid
  • Farbe:  naturell
Luxus-Ca Nr. 2724     Quelle: HR

LUXUS-SPECIAL

  • Das LUXUS Modell mit Doppelcutaway
  • Wird im Katalog auch in STANDARD, SUPER, oder ULTRA- Ausführung angeboten
  • Farbe: rotbraun schattiert, naturell

LUXUS-ULTRA

Das LUXUS Modell mit dreischichtigen Decken und Böden

Luxus-Ultra-Ca Nr. 2987       Quelle: HR

SUPER

Das Top- Modell mit folgenden Merkmalen:

  • ausgesuchte Hölzer
  • tropfenförmige Schalllöcher,  F-Löcher ab 1961
  • mehrfach- Binding (5-7) an Decke, Boden und Schlagplatte
  • mehrfach- Binding an Hals und Kopfplatte (4)
  • eingelegte Schalllöcher (4)
  • 8-9 vorwiegend diagonalgeteilte Blockeinlagen aus Perloid / Perlmutt ab 1960
  • vorwiegend unsymmetrische Kopfplatte, außer Ära Roger
  • R- Saitenhalter ab 1956 standardmäßig
  • Farben:  rotbraun schattiert, naturell
Super-Ca        Quelle:  HR

SUPER-ULTRA

Das SUPER- Modell mit dreischichtigen Decken und Böden

Farbe:  naturell

Super-Ultra-Ca           Quelle: HR

ELECTRIC

Die Elektrogitarre mit hohlem Korpus,  Zargen und Stimmstock:

  • keine Schalllöcher
  • 2 Tonabnehmer
  • Farbe:  rotbraun schattiert, naturell
Electric           Quelle: HR

ELECTRIC  BASS

Hohlkorpus mit Zargen und Stimmstock. Es gab 2 Ausführungen des Stimmstocks

  • 2 parallele Längsbalken in derselben Höhe wie die Zargen
  • 1 massiver Mittelblock über die gesamte Korpuslänge in Zargenhöhe (sehr schwer)
  • Farben:  :  rotbraun schattiert, naturell
Electric (Munich) Bass          Quelle: Rolf Johansson

ELECTRIC 1963

Die Solid Body Electric Gitarre.  Sie war auch als Electric Bass erhältlich.

Die 4 Drucktasten für die Tonumschaltung wurden dem EKO-Design entlehnt.

Electric-Guitar 1963, gebaut in Neumarkt St. Veit  Quelle:            Katalog

HAWAIIAN

Der Korpus der HAWAIIAN ist in der Regel aus massivem Ahorn gefertigt und besitzt Ausfräsungen für die Unterbringung der Hardware.  Sehr oft wurde der Body auch furniert. 

Electric-Hawaiian-Guitar, gebaut ab 1939    Quelle: Katalog
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KAPITEL 3   MITTENWALD / NEUMARKT ST. VEIT

ÄRA MITTENWALD 1955 – 1960

Die Zeit von März 1954 als WR aus dem Zuchthaus entlassen wurde, bis zur erneuten Firmengründung am 1. September 1955, ist bereits in der chronologischen Abfolge von Wenzels Leben ausreichend dokumentiert.  Erwähnenswert an dieser Stelle ist der absolute Wille und der unerschütterliche Glaube von Wenzel Rossmeisl und seiner zweiten Frau Marianne, noch einmal eine  Werkstatt für den Bau von ROGER-Guitarren zu eröffnen.

Bereits einen Monat nach dem Wiederbeginn verlassen die ersten Instrumente die Fertigungsstätte.

Nachfolgend eine Auflistung aller Änderungen, betreffend die Konstruktion und das Design:

1) Alle Modelle haben, bis auf ganz wenige Ausnahmen, ein venezianisches Cutaway.

2) Die F-Löcher sind nochmals verbreitert worden

3) Neues Label 

Das neue Label trägt das Mittenwalder Logo.  Als Schrifttyp wurde sans-serif gewählt, im Gegensatz zur Fraktur-Schrift bei den früheren Berliner Zetteln.